Philharmonischer Chor : Entwaffnend

Unermüdliche Entdeckungsfreude. Der Philharmonische Chor singt Gabriel Fauré und Ralph Vaughan Williams unter der Leitung von Jörg-Peter Weigle.

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Der Philharmonische Chor Berlin.
Der Philharmonische Chor Berlin.Foto: Martin Walz

Trotz Brittens „War Requiem“ und dem „Dream of Gerontius“ von Edward Elgar, der inzwischen auch hierzulande regelmäßig aufgeführt wird, bleiben weite Teile des reichen englischen Chorrepertoires aus dem 20. Jahrhundert dem deutschen Publikum unbekannt. Da kann man sich freuen, dass der unermüdlich entdeckungsfreudige Philharmonische Chor mit Ralph Vaughan Williams’ „Dona nobis pacem“ eine Rarität vorstellt, die sich freilich im Heimatland des Komponisten großer Beliebtheit erfreut.

Vielleicht liegt es an mangelnder Vertrautheit mit dieser Klangsprache, wenn man an diesem Abend in der Philharmonie weniger einen Individualstil als Anklänge an Bekannteres hört: Zitate aus Verdis Requiem, Parsifaleskes und, in den marschartigen Passagen, viel Gustav Mahler. Mit dem Kontrast zwischen apokalyptischen und zarten Momenten sowie der Verbindung aus liturgischem Text und Antikriegslyrik weist das 1936 uraufgeführte Werk zudem deutlich auf das „War Requiem“ voraus.

Unaufdringliche Friedensbotschaft

Die vorhandene Kitschgefahr bannt der Philharmonische Chor unter der souveränen Leitung seines Chefdirigenten Jörg-Peter Weigle mit einer außerordentlich kultivierten Interpretation. Angesichts perfekter Intonation und vorbildlicher Piano-Kultur glaubt man kaum, dass die Mitglieder des Ensembles Laien sind. Nur gelegentlich wünscht man sich eine schärfere Attacke, zumal das engagiert und tonschön agierende Konzerthausorchester im ersten Teil des Abends zuweilen sehr robust auftritt.

Die Koppelung mit Gabriel Faurés „Requiem“ ist auch deshalb sinnfällig, weil Vaughan Williams bei Faurés Schüler Ravel studiert hat und beide Werke eine ähnliche Besetzung mit Soloparts für Sopran und Bariton aufweisen (bewegend: Marietta Zumbült und Krešimir Stražanac). Die Konfrontation mit einem in der Vorahnung des Zweiten Weltkriegs geschriebenen Stück verstärkt noch die Wirkung der entwaffnend stillen und liebenswürdigen Totenmesse des Franzosen. Das Publikum bedankt sich mit großem Applaus für die eindrückliche und unaufdringliche Friedensbotschaft.

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