Philharmonischer Salon : Mirakel der Musik

Götz Teutsch lässt Haydn spielen, Stefan Kaminski liest vor: Der Philharmonische Salon unter dem Motto "Delights of Harmony - Musik in London um 1800".

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Das Varian Fry Quartett: Marlene Ito, Philipp Bohnen, Martin von der Nahmer und Rachel Helleur.
Das Varian Fry Quartett: Marlene Ito, Philipp Bohnen, Martin von der Nahmer und Rachel Helleur.Foto: Varian Fry Quartett

Symphonie Nr. 94 von Joseph Haydn ohne den Paukenschlag. In der Tat gibt es eine solche Fassung, und sie bildet im Kammermusiksaal ein Schmuckstück des neuesten Philharmonischen Salons, der unter dem Titel „Delights of Harmony – Musik in London um 1800“ steht. Die Bearbeitung des G-Dur-Werks für Flöte, Streichquartett und Klavier stammt von Johann Peter Salomon, dem Geiger, Komponisten und nicht zuletzt Konzertunternehmer, dessen Überredungskunst es gelungen war, Haydn nach London zu holen. So verdankt die Welt diesem Salomon auch die Londoner Symphonien.

Das Varian Fry Quartett – Philipp Bohnen, Marlene Ito, Martin von der Nahmer und Rachel Helleur – besteht aus Philharmonikern, die mehrheitlich noch bei Jan Diesselhorst, dem früh verstorbenen Cellisten, in die Lehre gegangen sind. Mit der Flötistin Jelka Weber und der Pianistin Cordelia Höfer am erlesen tönenden Hammerklavier bilden sie ein wohlsortiertes Haydn-Salomon-Ensemble für diese Aufführung. Den Instrumentalisten zuzuhören, auch wenn sie in kleinerer Besetzung Muzio Clementi, Ignaz Pleyel, John Field oder eben Haydn original spielen, wird dem Titel des wiederum von Götz Teutsch entdeckungsreich gestalteten Programms voll gerecht: Vergnügen, Entzücken, Freude bereiten die Interpretationen den Zuhörern. Wer kennt schon die Sonaten des Österreichers Joseph Woelfl für Violine und Klavier über Haydns Oratorium „Die Schöpfung“, unter denen ein Allegrosatz voller Anmut „eine neue Welt“ entspringen lassen will!

Mit einem Paukenschlag aus dem Schlaf geweckt

Die ironischen Reiseberichte etwa von Johanna Schopenhauer über die feine und unfeine englische Art trägt der Schauspieler Stefan Kaminski gut gelaunt vor, um zu dem wichtigen Quellenmaterial zu kommen, das Albert Christoph Dies in Wien 1810 herausgegeben hat: In seinen „Biographischen Nachrichten über Joseph Haydn“ berichtet er über mündliche Unterredungen mit dem Komponisten, die er zwischen 1805 und 1808 führen durfte.

Haydn schildert darin, wie er sein Publikum, das nach gut besetzten Tafeln und geistigen Getränken vom Gott des Schlafs übermannt wurde, mit dem urplötzlichen Donner des Paukenschlags aus seiner Schlafsucht weckte.

Oder an anderer Stelle eine Notiz von Dies, die für sich spricht und ihm von mehreren Personen erzählt worden sei: „Als Haydn im Orchester erschien, verließen die neugierigen Zuhörer im Parterre ihre Sitze und drängten sich gegen das Orchester in der Absicht, den berühmten Haydn in der Nähe besser sehen zu können.“ Als die Sitze des Parterres leer waren, stürzte zertrümmernd der große Kronleuchter herunter. Nach dem ersten Schrecken und eingedenk der Gefahr, der sie entronnen waren, hätten die Vorgedrängten ihren Gemütszustand durch das Wort „Mirakel! Mirakel!“ ausgedrückt.

Als Dies sich deswegen später bei Haydn erkundigte, sagte er: „Davon weiß ich nichts.“
Noch einmal am 12. Februar, 16 Uhr, im Kammermusiksaal.

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