Kultur : Philosophinnen und Philosophen

-

Frank Noack findet Spuren der Weisheit im Kino Nicht alles, was in den USA Erfolg hat, kommt auch bei uns an. Die Werke der Philosophin und Romanautorin Ayn Rand (1905 1982) sind drüben ein halbes Jahrhundert nach ihrem Erscheinen immer noch Bestseller, bei uns jedoch nur Geheimtipps. Dabei kommt es im Kino immer wieder zu Szenenapplaus, wenn King Vidors The Fountainhead (1949) gezeigt wird, die Kinoadaption ihres gleichnamigen 700-Seiten-Romans. Gary Cooper spielt darin einen Architekten, der sich um keinen Preis anpassen will und als Tagelöhner im Steinbruch schuftet, wenn er keinen Bauherrn für seine Entwürfe findet. Als seine Pläne für ein Wohnhaus nicht befolgt und ohne seine Einwilligung Balkons angebracht werden, sprengt er das Haus einfach in die Luft. Er wird vor Gericht freigesprochen, nachdem er die Jury mit einer flammenden Rede für jedweden Individualismus und gegen das Kollektiv beeindruckt hat. Für den Filmhistoriker Peter Biskind war „The Fountainhead“ eine „Soap Opera für die radikale Rechte, Hollywoods ,Triumph des Willens’“. Tatsächlich saß Ayn Rand politisch zwischen den Stühlen. Die Exilrussin verabscheute den Kommunismus ebenso wie den religiösen Irrationalismus ihrer Wahlheimat. Und sie hielt überhaupt nichts von Fortpflanzung. Ihre Romanhelden haben weder Kinder noch Eltern. Sie sind einfach da (Dienstag im Arsenal).

Ayn Rand hat das Drehbuch zu „The Fountainhead“ selbst geschrieben und die Dialoge mit Philosophie aufgeladen. Ganz anders der große Philosoph Jean-Paul Sartre, der ab und zu nebenbei Filmmanuskripte verfasst oder Vorlagen für Filme geliefert hat. Nach seinem gleichnamigen Bühnenstück entstand 1962 Die Eingeschlossenen von Altona , ein Film über das kalte Wirtschaftswunder-Deutschland, der als italienisch-französische Co-Produktion in englischer Sprache hergestellt wurde. Unter Vittorio de Sicas Leitung verkörperten Stars wie Sophia Loren und Maximilian Schell die Mitglieder einer Industriellenfamilie mit unbewältigter Vergangenheit. Themen wie Schuld und Verantwortung kommen ohne erhobenen Zeigefinger zur Sprache (heute und morgen im Filmkunsthaus Babylon).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben