Kultur : Phoenix aus dem Ascher

GÜNTHER HÖHNE

Es wird wohl wieder einmal Lucky Strikes in Hülle und Fülle geben nach dem Festakt der Raymond Loewy Stiftung heute abend im Kunstgewerbemuseum am Kulturforum.Der Designpionier und "Vater der Stromlinie" Loewy (1893-1986) war in den vierziger Jahren auch Schöpfer des bis dato gängigen Erscheinungsbildes jener legendären amerikanischen Marke; die sich mit seinem Namen schmückende Hamburger "Stiftung zur Förderung von zeitgemäßem Industriedesign" der British American Tobacco Germany vergibt seit 1991 alljährlich den "Lucky Strike Designer Award".Es ist dies die mit einem Preisgeld von 60 000 Mark höchstdotierte, aber nicht allein deswegen begehrteste europäische Auszeichnung.Sie würdigt "einzelne Schaffensperioden oder das Gesamtwerk hervorragender Designer und Designerinnen, deren Arbeiten Ästhetik und Funktionalität auf hervorragende Weise miteinander verbinden", so die Stifter.

Der Award-Mitinitiator Michael Erlhoff, Designprofessor in Köln und einer der international gefragtesten Querdenker in Sachen Produktkultur, hatte bei der Auswahl der Kandidaten eine glückliche Hand.Die einstimmige Wahl fiel erstmals auf ein Designer-Duo, weil beide Preisträger wie ein Mann für ein Gestaltungsbüro stehen, das "in bester Weise die typischen Qualitäten des deutschen Design veranschaulicht", so die Jury in ihrer Begründung.Der Preis geht an das Stuttgarter Team von "Phoenix Product Design", gegründet vor elf Jahren von Tom Schönherr (leidenschaftlicher Nikotinverweigerer) und Andreas Haug (Edelzigarrillo-Genußraucher).

Die Neugründung war ein Wagnis: Denn Haug und Schönherr verließen das innovative Frogdesign-Team unter Hartmut Esslinger just in dem Moment, als es anfing, Furore zu machen.Vielleicht nannten die in einigermaßen hitziger Atmosphäre scheidenden Nestflüchter sich deshalb trotzig "Phoenix Product Design".Der Ritterschlag mit dem Lucky Strike Designer Award bringt die Geschiedenen nun öffentlich wieder zusammen: Esslinger war 1991 der erste Preisträger, nun folgt das Phoenix-Duo - am Ende einer durch Richard Sapper, Karl Lagerfeld, Kurt Weidemann oder Bruno Sacco bezeichneten illustren Reihe.Es waren sieben fette Jahre für den Phoenix, in denen sich sein mittlerweile sechzehnköpfiges Team schnell zur Konkurrenz für die Frogs und sonstige große Tiere im deutschen und internationalen Designerrevier entwickelte.

Phoenix Product Design prägte die mit den weltweit angesehensten Designpreisen dekorierten Sortimentprofile etwa von Lamy und Loewe, von Sanitärausstattern wie Hansgrohe, Duravit und Kaldewei und arbeitet zudem für namhafte Firmen wie Pioneer, Revox, Sharp oder Hagenuk.Mittlerweile betreibt man auch ein Büro in Tokio, um dem wachsenden Interesse ostasiatischer Auftraggeber gerecht zu werden.Gerade ihnen kommen zwei Spezifika der Stuttgarter Gestalter entgegen: der komplette Designprozeß - von der Recherche und Strategie bis zur computergestützten Modellherstellung - ausschließlich im Phoenix-Nest garantiert, daß die Ideen nicht schon vor der Marktpremiere durchsickern; außerdem mögen die Japaner Bescheidenheit und Effizienz."Unsere Produkte", so definiert sie Schönherr, "sind keine kapriziösen Stars, sondern stehen (selbst)bewußt mit Kontext zu anderen Einrichtungselementen.Sie sind langlebig, funktionieren gut und senden positive Botschaften."

Im Gegensatz etwa zu den gern lautstark auftretenden Frogs bleibt Phoenix für den Käufer der Edelmarkenprodukte zumeist im Verborgenen, ja anonym.Von Loewe-Design ist die Rede und von Lamy, von Hansgrohe oder von Kaldewei-Badewannen.Wer weiß schon, daß sie alle sich mit Phoenix-Federn schmücken.Aber das sei auch nicht wirklich wichtig, meinen Andreas Haug und Tom Schönherr.Auch Designernamen seien schließlich nur Schall und Rauch, entscheidend hingegen, daß im Zusammengehen von Designern und Auftraggebern "aus Serienprodukten echte Produktpersönlichkeiten werden", für Gestalter, Produzenten und Nutzer gleichermaßen Glückstreffer herauskommen - eben Lucky Strikes.

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