Pianist Carlo Grante im Kammermusiksaal : Mit luzider Klarheit

Der Pianist Carlo Grante arbeitet sich gerade durch die Hochromantik. Jetzt hat er seinen Zyklus mit Klaviervariationen von Johannes Brahms im Kammermusiksaal beschlossen.

von
Carlo Grante
Carlo GranteFoto: Paolo Lafratta

Mit drei Variationenwerken von Johannes Brahms beschließt der italienische Pianist Carlo Grante seinen Zyklus „Meister der Hochromantik“ im Kammermusiksaal der Philharmonie. Neben sämtlichen Balladen und Scherzi von Frédéric Chopin waren dabei die drei selten gespielten Klaviersonaten Robert Schumanns zu hören gewesen: eine Leistung an Stoffbewältigung, stilistischer Wandlungsfähigkeit und geistiger Durchdringung, die ihresgleichen sucht – von den haarsträubenden technischen Schwierigkeiten der drei Programme zu schweigen.

Faszinierte Schumanns Musik durch leidenschaftlichste Fantasie und eine ihr empfindsam nachspürende, gleichwohl unsentimentale Darstellung, so ist der Gefühlsstrom bei Brahms eher gebremst, manchmal verborgen hinter den Tüfteleien seiner Variationskünste. Sie bündeln sämtliche satztechnischen Errungenschaften seit Bachs Zeiten, die sich nur in äußerster Klarheit zum Vergnügen des Hörers entfalten können. Grante hat es damit zunächst nicht ganz leicht. Der Bösendorfer Imperial, der ihm bei den Konzerten zuvor eine reiche Farbpalette ermöglicht hat, steht diesmal nicht zur Verfügung; das Ersatzinstrument ist nicht ohne Härten und bleibt vor allem in der Mittellage mulmig.

Es ehrt den Künstler, dass er nicht mit äußerlichen Effekten blenden, sondern Substantielles vermitteln will. Die „Paganini-Variationen“ jedoch kommen ohne ein Moment des Zirzensischen nicht ganz aus. So streift die Schlussvariation von Heft 1 fast schon Rachmaninowsche Gefilde und ruft nicht umsonst spontanen Applaus hervor. Den kräftezehrenden Parforceritt bewältigt Grante achtunggebietend, doch auch ein wenig risikoscheu, oft lyrisch in sich zurückgezogen. Dafür bieten die Händel-Variationen einen fortlaufenden, mitreißenden Spannungsbogen, kontrastreich und mit luzider Klarheit aufgebaut.

Prachtvoll, in klugen Steigerungen und reichen Farbregistern entfaltet sich die Fuge, und nicht nur im trillerverzierten, entspannt ausschwingenden Siciliano denkt man an Scarlatti, von dem Grante nach enthusiastischem Beifall zwei Sonaten zugibt.

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