Pianist Matan Porat im Kammermusiksaal : Wenn der Flügel zerspringt

Pianist und Komponist Matan Porat weiß, auf sich aufmerksam zu machen: Denn wer ihn als scheuen Menschen kennengelernt hat, dürfte von seinem Auftritt im Kammermusiksaal erst mal schockiert gewesen sein.

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Matan Porat ist einer von vielen Israelis, die inzwischen in Berlin leben – aber einer, der auf sich aufmerksam macht. Der 31-Jährige kommt von der Juilliard School, ist Protegé Daniel Barenboims und, was einst völlig normal war (Liszt! Rachmaninow!), Pianist und Komponist zugleich. Er veröffentlicht seit zehn Jahren Stücke, vor allem kammermusikalische.

Wer ihn im Gespräch als scheuen Menschen kennengelernt hat, ist von seinem Auftritt in der Reihe „Debüt im Deutschlandradio“ im Kammermusiksaal erst mal schockiert: Der Flügel will schier zerspringen unterm harten, hämmernden, perkussiven Anschlag. Der ist aber mehr als Äußerlichkeit und Effekt. Porat dreht, formt, modelliert die Klänge, die in Ligetis „Musica ricercata“ (1953), der „gefundenen Musik“, besonders selbstbezüglich gemeint sind. Elf Stücke, im ersten läuft nur der Ton A durch alle Register, später kommen weitere hinzu. Spannend, wie Ligeti hier seine Bartók-geprägten Jahre verabschiedet hin zum reifen Stil, der in „Atmosphères“ gipfeln sollte.

Gefühliger, pedallastiger, auch etwas unschärfer wird Porat in der Suite a-Moll aus Rameaus „Nouvelles suites de pièces de clavecin“, bevor er seine eigene kompositorische Produktivität demonstriert – mit „Drei Klavierstücken“, die erst vergangene Woche in München uraufgeführt wurden. Er spinnt Bruchstücke anderer Melodien weiter, landet in der fünfgestrichenen Oktave, reiht Zweiundreißigstelketten aneinander: expressiv, virtuos, jazzig, wenn auch etwas geschwätzig. Mit Schuberts gleichnamigen „Drei Klavierstücken“ D 946 hat diese Komposition höchstens die Abfolge schnell–langsam–schnell gemein. Aber bei Schubert zeigt sich besonders schön, wie sehr Porat auch Klangdramaturgie und dynamische Kontraste beherrscht, etwa im Übergang vom sorgenfreien Dur-Thema des Allegrettos in schattige Moll-Tiefen, der klingt, als würde sich die Musik selbst ans Herz greifen.

Grundzug des Abends bleibt jedoch ein Denken in Konstruktionen, der Drang zum analytischen Spiel. Komponisten machen eben doch anders Musik.

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