Pianist Menahem Pressler : Ungebrochene Neugier, unbeirrbare Konzentration

Menahem Pressler, 91-jähriger Gründer des Beaux Arts Trio, spielt zum Abschlusskonzert seiner Europa-Tournee Mozart in Berlin.

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Gebürtiger Magdeburger. Pianist Menahem Pressler, Urgestein des Beaux Arts Trio.
Gebürtiger Magdeburger. Pianist Menahem Pressler, Urgestein des Beaux Arts Trio.Foto: Marco Borggreve

Wenn es in der Unterhaltung mit Menahem Pressler zu Abschweifungen kommt, so liegt das nicht an dem mittlerweile 91 Jahre alten Pianisten, sondern am Gesprächspartner, der immer wieder mit Nachfragen unterbricht: "Wie war das nach dem Zweiten Weltkrieg mit Bruno Walter und Alma Mahler-Werfel in Kalifornien?" Dann erzählt der frühere Pianist des Beaux Arts Trios, wie ihm Walter erklärte, in welchem Tempo das erste Thema des Schumannkonzerts gespielt werden müsse, oder wie die berüchtigte Witwe von Gustav Mahler auf die Frage, ob er zum Klavierspielen sein Jackett ablegen dürfe, antwortete: "Von mir aus dürfen sie sich ganz ausziehen."

Danach greift Pressler mit unbeirrbarer Konzentration den ursprünglichen Gesprächsfaden wieder auf. Es ist dieselbe Konzentration, die man in den Interpretationen des Künstlers so bewundert: Kein Triller, keine Verzierung lenkt von der Hauptsache ab. Zur Zeit befindet sich Pressler auf einer ausgedehnten Europatournee, die am heutigen Dienstag in der Philharmonie endet. Erstmals spielt er mit der Staatskapelle Dresden und Christian Thielemann. Presslers Neugier auf Künstlerbekanntschaften und sogar neue Stücke ist ungebrochen. Der fast gleich alte Komponist György Kurtág hat ein Werk für ihn geschrieben, für Konzerte mit dem Bariton Matthias Görne hat er die "Geistervariationen" Schumanns neu einstudiert.

Flucht nach Palästina, Auswanderung in die USA

Das knapp zweistündige Gespräch dreht sich hauptsächlich um Musik, streift aber auch Politisches und Persönliches. Natürlich kommen die Flucht des gebürtigen Magdeburgers vor den Nazis nach Palästina und seine spätere Auswanderung in die USA zur Sprache. Presslers israelische Ehefrau wollte sein Trio auf den frühen Deutschland-Tourneen nicht begleiten und bat Pressler, sein Honorar dem jungen Staat Israel zu spenden: "Du schuldest dem Land das Geld. Es hat dir das Leben gerettet."

Glückhafte Zufälle haben mehrfach eine Rolle gespielt: Nur sieben Konzerte waren zunächst mit dem Beaux Arts Trio geplant, mit dem Pressler als einziges permanentes Mitglied schließlich 54 Jahre auftreten sollte. Nur ein Semester wollte er zunächst an der Indiana University unterrichten; daraus sind heute fast sechs Jahrzehnte geworden. Und immer noch ist Pressler, dessen frühere Schüler zum Teil inzwischen in Pension gegangen sind, ein unermüdlicher Lehrer.

Kurz nach der Rückkehr in die USA wird Pressler dann zu einer weiteren Reise nach Asien aufbrechen. Man fragt sich, wie er dies immense Pensum bewältigt; fast hat man den Eindruck, dass er es selbst kaum glauben mag. Eitelkeit jedenfalls ist das Letzte, was man ihm unterstellen würde. „Es ist eine wunderbare Reise“, sagt er über die aktuelle Tournee, "bei manchen Konzerten hören die Menschen einfach nicht auf, zu applaudieren."

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