Kultur : Piano forte

Wettbewerb (3): „De battre mon cœur s’est arrêté“

Jan Schulz-Ojala

Das fängt ja vielversprechend an. Ein Mann erzählt überstürzt und heftig einem Freund von seinem Vater: vom Hass auf dessen lebenslanges Kindischbleiben und dann, unvermittelt, von der Trauer doch über seinen Tod. Und unheldische Tränen, kurz angeweint: Endlich mal ein Schluchzen, das einen packt auf dieser Berlinale.

Unerwachsene Eltern und sich zum Ausgleich zumindest in die Überlebenssicherheit hineintrainierende Söhne – auch Jacques Audiard hätte das leise Leitmotiv dieses Festivals auf seine Weise variieren können. Tatsächlich gibt es da einen zwielichtigen, altgewordenen Immobilienhai (Niels Arestrup), der ohne seinen toughen Sohn Tom (Romain Duris) Geschäft und Privatleben nicht mehr richtig auf die Reihe bekäme. Tom entmietet Sanierungsobjekte am liebsten mit dem Baseballschläger und rät dem Vater schon mal von einer neuen Geliebten ab: „Das ist eine Nutte, Papa!“

Kaum aber hat der Film sein erzählenswertes Thema gefunden, setzt er eins drauf. Und kann sich nicht entscheiden, welches der beiden er eigentlich wichtig findet. Denn Tom, Schläger vom Dienst, erinnert sich plötzlich an sein Fingerspitzengefühl. Vor zehn Jahren hat er – die Mutter war Konzertpianistin – das Klavierspielen aufgegeben und will nun, die Suche nach dem Sinn des Lebens geht auch an Brutalos nicht vorüber, einen neuen Anfang machen. Folglich nimmt er Klavierstunden und fiebert, wenn er nicht gerade Schuldner und anderes Gesocks aus dem Weg räumen muss, einem Probevorspiel nebst Karriere in Mamas feinen Fußstapfen entgegen.

Das seltene Genre des Künstlerthrillers erfährt, vorsichtig gesagt, durch „De battre mon cœur s’est arrêté“ keine wesentlich neuen Impulse. Wie auch die Titelfindung – prosaisch übersetzt: Mein Herz hat aufgehört zu schlagen – sich nicht unmittelbar erschließt. Der Festivalkatalog entscheidet auf: „Der Schlag, der mein Herz verspielte“. Interessanter Interpretationsansatz.

Heute 18.30 und 23.30 Uhr (Urania)

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