Kultur : Pianosaurus Rex

NORBERT TEFELSKI

Ein Berliner Piano-Barde öffnet Wundertüten.Die abendlich wechselnden fetzigen, kitschigen, quatschigen Füllungen tragen (fast) ausnahmslos den Stempel MM: Multipler Musikmensch bzw.Manfred Maurenbrecher.Das Niveau-Gefälle äußert sich mitunter grausam, wenn andere seine Titel interpretieren - etwa Schlagertante Veronika Fischer während eines Gastauftrittes am Premierenabend.Oder wenn er seiner an sich rumpelfröhlichen Begleitband "Puls" das Feld überläßt: Mit affektierter Schwuchtelstimme vorgetragen, entfaltet pseudolyrisches Liebesleid erst so recht seine AuaWirkung.

Maurenbrecher persönlich aber darf alles.Ob abgegriffenes Wolkenpathos, naive Politikerschelte oder banales Alltags-Blabla - des Meisters ungekünstelte Ekstase dröhnt jeden dünkelhaften Vorbehalt zum Teufel.Abgetaucht in die Schwarzweiß-Tastatur, rockig stampfend und bluesig schwitzend, pflegt die Hornbrille mit dem Schnauzer ums Kinn heißkalten Pluralismus.Kleine satirische Prosatexte und ausgefeilt fiese Kabarettsongs wecken Appetit aufs "Mittwochsfazit", das MM gemeinsam mit Horst Evers und Bov Bjerg allwöchentlich im "Schlot" zieht.Die beiden Literatur-Kollegen dürfen nun auch im Tränenpalast ein wenig mitmischen.Wie Prüflinge in Erwartung der Fragen stehen sie an der Rampe, erheben gelegentlich dünne Stimmchen, um so zur (wie freiwilligen) Komik beizutragen.Doch selbst ihre partielle Mitwirkung kriegt den grandiosen Song "Kakerlaken" nicht kaputt.Nach wie vor kriechen einem die Tierchen querbeat übern Rücken, wenn der wildgewordene Pianosaurus Rex kehlig röhrend, krächzend und zischelnd die ewig kalte Halle penetriert.

Tränenpalast, noch heute und morgen jeweils 20 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar