Pinkas Braun : Das Leben, ein Wunder

Er hatte Erfolg mit dem, was er tat, doch er versuchte ständig etwas Neues: Zum Tod des Schauspielers Pinkas Braun.

Braun
Pinkas Braun -Foto: ddp

Geheimnisvoller Gesichtsausdruck, markante Stimme, es gibt schlechtere Voraussetzungen für den Schauspielerberuf. Aber selbst der Erfolg auf der Bühne, im Film und im Fernsehen war Pinkas Braun, geboren am 7. Januar 1923 in Zürich, nicht genug. Braun übersetzte die Stücke des amerikanischen Dramatikers Edward Albee, er las im Hörspielstudio Umberto Ecos Bestseller „Der Name der Rose“. Und am Ende seines Lebens, mit über 80 Jahren, begann er noch einmal etwas Neues und schrieb die Geschichte seiner Kindheit und Jugend auf.

„Vorspiel. Eine Jugend – ein Bühnenleben“ heißt sein Buch, das in diesem Frühjahr erschienen ist (Nagel & Kimche, Zürich, 407 S., 24,90 €). Schauspielermemoiren gibt es viele, die meisten sind dahingeplauderte Anekdotensammlungen. „Vorspiel“ ist eine kleine literarische Sensation im ansonsten eher ambitionsfreien Genre. Geschildert wird die Geschichte einer Bedrohung und Errettung. Braun stammte aus einer jüdischen Familie, die aus Polen in die Schweiz ausgewandert war. Die Lage wurde prekär, nachdem die Wehrmacht 1939 Polen besetzt hatte. Sein polnischer Pass war wertlos geworden, er konnte jederzeit abgeschoben werden.

Im von den Nationalsozialisten beherrschten Kontinentaleuropa war die Schweiz die letzte Insel der Freiheit, aber sie wurde von der Angst vor dem Aggressor beherrscht. Braun erlebte offenen Antisemitismus, etwa, als rechtsradikale „Fröntler“ die Besucher eines Zionistenkongresses in Zürich verprügelten. Das Theater wurde zu seiner Gegenwelt, er begann als Statist am Schauspielhaus und begegnete dort Emigranten wie Alexander Granach und Wolfgang Langhoff. „Wahrscheinlich war es die Ordnung im Theater, die mich anzog, der überschaubare, geordnete Ablauf einer Inszenierung, eine Ordnung, die ich außerhalb des Theaters nie gekannt hatte“, schreibt er.

Zum Ensemble des Schauspielhauses gehörte Braun bis 1956, er arbeitete als Brechts Regieassistent und trat in Uraufführungen von Borchert, Frisch, Dürrenmatt auf. Danach spielte er am Wiener Burgtheater und am Hamburger Thalia- Theater, seine Lieblingsrolle war Shakespeares Shylock im „Kaufmann von Venedig“. Im deutschen Nachkriegskino verpflichteten ihn Regisseure wie Kurt Hoffmann („Wir Wunderkinder“, 1958) und Bernhard Wicki („Das Wunder von Malachias“, 1960). In Edgar-Wallace-Filmen und mehr als 120 Fernsehspielen und Serien-Episoden war er Bösewicht, eleganter Herr, zwielichtige Erscheinung. Am Dienstag ist Pinkas Braun mit 85 Jahren in München gestorben. jbh/chs

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