"Pionery-geroi" auf der Berlinale : Jeden Tag eine Heldentat

Postsowjetische Pioniere: „Pionery-geroi“ zeigt in der Panorama-Sektion drei Biografien - und eine Generation, die ihre sowjetischen Kindheitsträume mit der postsowjetischen Realität aussöhnt.

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Nicht, wie sie es als Kinder träumten: "Pionery-geroi".
Nicht, wie sie es als Kinder träumten: "Pionery-geroi".Foto: CTB Film Company

Zweimal Russland: einmal im Jahr 1987, einmal heute. Als Erwachsene leben Olga (Daria Moros), Sergejew (Aleksej Mitin) und Katja (Regisseurin Natalja Kudrjaschowa) in Moskau, als Kinder wachsen sie in der Provinzmetropole Welikij Nowgorod auf. „Pionery-geroi“ („Pioneer Heroes“) springt zwischen den Erzählebenen hin und her – und porträtiert dabei eine Generation, die ihre sowjetisch geprägten Kindheitsträume mit der postsowjetischen Realität aussöhnen muss.

Katja ringt als Jungpionierin mit der Entscheidung, ob sie ihren Großvater, der heimlich Schnaps brennt, bei den Behörden anschwärzen oder ihn decken soll. Ein Vierteljahrhundert später ist sie Schauspielerin und leidet unter Panikattacken. Sergejew, der als Junge unter der Badewanne Schimmelkulturen mit wunderheilender Wirkung züchtet, ist als Mann überfordert vom Nähebedürfnis seiner Freundin. Olga, die mit der Gegenwart anfangs noch am besten von den dreien zurechtzukommen scheint, will in der Perestroika-Ära einen Verschwörerzirkel vermeintlicher Westspione davon abhalten, sowjetische Kinder zu ermorden.

Vieles an diesem schönen Film lebt vom Gegensatz zwischen den Zeiten: auf der einen Seite eine depressiv-illusionslose Gegenwart, auf der anderen träumerisch bebilderte Kindheitserinnerungen an den Sozialismus und sein heroisches Selbstbild. Die „Heldentat“, die man den Protagonisten in ihren Pionierstagen als jeden Tag aufs Neue anzustrebendes Handlungsideal vermittelte, werden am Ende des Films alle drei vollbracht haben – wenn auch nicht auf die Art, von der sie als Kinder träumten.

12.2., 19.30 Uhr (Cinemaxx 7), 13.2., 17.45 Uhr (Cinestar 3), 14.2., 20.30 Uhr (Cubix 7 und 8), 15.2., 20.15 Uhr (Cinemaxx 1)

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