Kultur : Placebo

Diese Woche auf Platz 17 mit: „Meds“

Ralph Geisenhanslüke

Das Beste kommt zum Schluss des Albums: In „Song To Say Goodbye“ beschreiben Placebo die Resignation gegen Ende einer Beziehung. Die Bitternis und den Wunsch, einen Menschen nicht mehr an sich heranzulassen. Es gibt zuvor schon einige gut abgehangene und abgeklärte Lieder, aber „Song To Say Goodbye“ ist ein besonders schönes, vorwärts drängendes Stück Rock, das sich für eine ganze Reihe von Lebenssituationen empfiehlt. Vielleicht wird es nicht ganz so oft gespielt werden wie Stevie Wonders „Happy Birthday“, aber als Schmerzmittel hat es das Zeug zum Klassiker.

Womit wir bei den unvermeidbaren Assoziationen zum Bandnamen wären. Nein, Placebo sind keine wirkungslose Pille, nicht der neueste Hype aus der Gitarren-Ecke, keine Hives, Strokes oder Yeah-Yeah-Irgendwas-Monkeys. Auch wenn es vor zwölf Jahren zunächst den Anschein hatte. Brian Molko, der androgyne Wonderboy und Sänger, galt als zeitgenössischer Wiedergänger von T. Rex, die Band als Glam-Rock-Version von Nirvana. Das amerikanisch-schwedisch-britische Trio wurde als Brit-Pop- Hoffnung gehandelt. Dabei waren Placebo das Gegengift. Sie experimentierten jahrelang mit obskuren Gefühlslagen und Synthie-Sounds. Und verkauften ohne viel Aufhebens einige Millionen Platten.

Trotzdem warteten nicht wenige Kritiker darauf, dass die Band endlich zu der Form fände, die sie immer nur zu versprechen schien. Das ist ihnen jetzt gelungen, ausgerechnet in Frankreich, wo „Meds“ entstand und Placebo für ihre Manieriertheit besonders geschätzt werden. Happy Birthday.

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