Kultur : Plädoyer für die Zweitstimme

KLASSIK

Sybil Mahlke

Die Viola, das Altinstrument der Violinfamilie, das seinen Platz zwischen den Geigen und den Celli findet, emanzipiert sich seit dem 19. Jahrhundert immer mehr aus der Dienerrolle der klangfüllenden Mittelstimme. Instrumentationskünstler wie Berlioz und Richard Strauss feiern ihre Klangfarbe, und dem legendären Virtuosen William Primrose gelingt es, Béla Bartók zu seinem späten Bratschenkonzert zu animieren. Trotzdem taten die Violen der Berliner Philharmoniker es den 12 Cellisten bisher nicht gleich: Bei letzteren ist das selbstständige Ensemble aus der Gruppe seit 30 Jahren eine schöne Nebensache. Nun tauchten die Philharmonischen Brat schen Berlin im Kammer musiksaal auf und demonstrieren, dass der etwas raue, näselnde Klang des Instruments süchtig machen kann. Denn nicht nur der Solobratscher Neithard Resa, sondern auch die übrigen Musiker (darunter eine Stipendiatin der Orchester-Akademie) sind als Solisten zu bewundern. Der Abend hat Divertimento-Charakter, obwohl Brett Deans „Testament – Music for 12 Violas“ Beethovensche Tiefen berührt. Der australische Komponist, einst selbst Philharmoniker, sonnt sich mitspielend im Reigen der Kollegen wie ein Heimkehrer. Ob Telemann, Rossini oder Johann Strauß: Das Repertoire fußt auf Bearbeitungen, die besonders reizvoll sind, wenn sie die Grenzen der Machbarkeit berühren. Und Hornist Klaus Wallendorf ist als Moderator reif für die Comedy.

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