Kultur : Plakate beim China-Fest: Poesie statt Agit-Prop

Holger Wild

Auch in China ist das künstlerische Niveau kommerzieller (Werbe-)Plakate nicht immer das höchste. Dabei gibt es nicht nur zahlreiche Ausbildungsstätten für Grafikdesigner im ganzen Land, sondern seit Ende der 90er Jahre auch regelmäßig große Ausstellungen. Wie unterschiedlich mittlerweile hier die Bildsprachen sind, ist gegenwärtig in der Hochschule der Künste zu sehen: Im Rahmen des China-Festes hängen im Foyer mehr als 250 "Avantgardeplakate" - wobei Avantgarde hier nur meint, das der künstlerische Gestaltungswille nicht von den Zwängen und Konventionen der Reklame eingeengt wurde.

Zwar weisen einige Plakate durchaus auf etwas hin - doch dann wiederum auf ein künstlerisches Ereignis. Andere sind offensichtlich Beiträge zu Kampagnen für sparsamen Wasserverbrauch oder für Kinderrechte. Politischen Postern stehen Arbeiten gegenüber, die das Plakat und seine Wirkungsweise thematisieren.

Nicht überraschend, welchen hohen Stellenwert Schrift - besonders natürlich die chinesische - in der Gestaltung vieler Plakate einnimmt. Diese Ideogramme sind nun mal schon für sich höchst bildkräftig. Bemerkenswert aber ist die poetische Kraft, die in den Arbeiten steckt. Es sind Plakate, auf die man tatsächlich eine ganze Weile schauen kann; die sich nicht mit dem ersten Blick erschöpfen, auch wenn ihre Aussage sich auf den ersten Blick erschließt. Häufig verspielt, manchmal garstig, oft von einem feinen Humor durchzogen, zeigen diese Plakate eine chinesische Öffentlichkeit, die mit den plumpen Propagandabannern der Partei nicht das Mindeste mehr zu tun hat.

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