Kultur : Plan B

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Christine LemkeMatwey denkt

über Oper unter Vorbehalt nach

Wenn man sie nach der dienstäglichen Senatssitzung so nebeneinander sitzen sitzt, die Senatoren Flierl und Sarrazin, Gegner im Geiste und Brüder in der Pflicht, hier mal ein Lächeln riskierend, dort mal ein Witzchen wagend, dann könnte man auf die Idee kommen, dass das Regieren in Berlin mitunter sogar Spaß macht. Sein Konzept zur „Restrukturierung“ der Berliner Opernlandschaft, so Thomas Flierl, habe den Kollegen Finanzsenator zwar „nicht sonderlich beeindruckt“, gelohnt aber habe sich die Arbeit in jedem Fall. Erleichtert sei er und zufrieden, dass der Senat dazu nun seine Zustimmung gegeben habe (siehe auch Seite 10). Die Oper, konterte Sarrazin, sei bekanntermaßen nicht sein „Fachthema“, aber wenn alle Bedingungen, an die die erfolgreiche Umsetzung der Vorlage sich knüpfe, tatsächlich auch erfüllt würden, dann fände er das Ganze schlicht „großartig“. Drei Opernhäuser, die effizient wirtschaften, drei feinjustierte Spielpläne, Planungssicherheit, außerdem die schützende Hand des Bundes über der Stadt: Was will man eigentlich mehr?

Allein, das „Es-ist-vollbracht“-Gefühl, es will sich nicht in voller Schönheit einstellen. So sehr man dies Thomas Flierl wünschen würde, der in den vergangenen Monaten nicht nur über sich selbst, sondern auch über alle seine Vorgänger und über sämtliche ihm bei Amtsantritt entgegengebrachten Vorurteile hinausgewachsen zu sein scheint. Flierl aber wäre nicht Flierl (und von einer Art verschmitztem Understatement beseelt, einer intellektuellen Distanz zum Gegenstand wie zu den Untiefen des politischen Tagesgeschäftes), wenn er den Fall, dass sein Modell wider Erwarten doch noch scheitern könnte, nicht längst mitbedenken würde. Und zwar genau auf jene stille, hartnäckige und unaufgeregte Weise, die ihm jetzt einen ersten Teilerfolg bescherte. Nickt Hans Eichel im Juni die „nachhaltige Entlastung“ des Berliner Kulturetats in Höhe von rund 20 Millionen Bundes-Euro nicht ab, dann tritt Plan B in Kraft – die Fusion von Deutscher Oper und Staatsoper. Dass Thilo Sarrazin beim Gedanken an diese Möglichkeit nicht gerade von Emotionen geschüttelt wird, kann man sich vorstellen. Dass auch Flierl dies relativ nüchtern sieht, resultiert aus seiner Überzeugung, nichts unversucht gelassen zu haben. Einerseits. Andererseits trägt ihm diese Coolness bei Beteiligten wie Betroffenen Sympathien ein. Sympathien, mit denen Kollege Sarrazin bislang jedenfalls nicht rechnen musste.

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