Planung : Deutscher Pavillon von Gillick gebaut

Liam Gillick gestaltet den deutschen Pavillon. Wie das Bauwerk aussehen wird, darüber wird jedoch noch Stillschweigen gewahrt.

Nicola Kuhn
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Architektur und Geschichte. Der britische Künstler Liam Gillick. -Foto: Steffen Jagenburg

Wenn sich in dieser Woche die Kunstwelt in den Giardini der Biennale tummelt, dann soll es wirklich eine Überraschung sein. Liam Gillick hat seinen Helfern strengste Schweigepflicht darüber auferlegt, wie er den deutschen Pavillon zu gestalten gedenkt. Erst zur Eröffnung am 4. Juni wird zu sehen sein, wie heftig sich der britische Künstler an dem historischen Gemäuer zu schaffen gemacht hat. Gillicks Kurator Nicolaus Schafhausen verblüffte Anfang Mai bei einer Präsentation im Frankfurter Museum der Moderne mit dem Vorschlag, den „ideologisch aufgeladenen Baukörper“ des Pavillons abreißen zu lassen oder zumindest über einen Umbau der Nazi-Architektur zu diskutieren.

Doch wer Liam Gillicks Arbeiten kennt, weiß, dass er niemals selbst Hand anlegen würde, sondern sich eher theoretisch für die urbanistischen Bedingungen interessiert. Mit metallenen Konstruktionen offenbart er dezent die strukturellen Hintergründe einer städtebaulichen oder gesellschaftlichen Situation. Die aus Aluminium und farbigem Plexiglas gebauten Objekte und Installationen des 44-Jährigen, der in Berlin von der Galerie Esther Schipper vertreten wird, schwanken zwischen Architektur, Mobiliar und Kunst.

Diesmal hat sich der Londoner Künstler mit der Geschichte des Gebäudes befasst, hat sogar darin Quartier bezogen, um den raunenden Geist zu erfahren. Zuvor hatte der Forscher herausgefunden, dass es in den fünfziger Jahren Überlegungen gab, den Pavillon aus dem Jahr 1938 abreißen zu lassen. Von DocumentaGründer Arnold Bode stammt aus dem Jahr 1957 der Vorschlag, stattdessen einen bescheidenen, modernistischen Kubus in die Giardini setzen zu lassen.

Mit seiner vorab herausgegebenen Edition erinnert Gillick noch einmal an diese Idee, indem er das von Bode entworfene Ausstellungshaus als verkleinerteeinen halben Meter große Version nachbauen ließ. Der Verkauf sollte auch den geschmolzenen Ausstellungsetat des deutschen Pavillons aufbessern. Ob der Bode-Vorschlag als Haus im Haus in Venedig wiederkehrt, bleibt bis zuletzt offen. So viel ließ der Brite zumindest verlauten, dessen Wahl zunächst angefeindet wurde, da er als Ausländer die Bundesrepublik in der Nationenschau vertritt: „Und wenn es ein bisschen schwach ist, dann ist es immerhin ehrlich. Und wenn es scheitert, dann wird es zumindest ein produktives Scheitern.“

Liam Gillicks minimalistischer Ansatz könnte sich als passend für die 53. Biennale von Venedig erweisen. Vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt des Kunsthypes, dominierten noch die opulenten Installationen, waren die Partys wichtiger als der Ausstellungsbesuch. Auch der neue Biennale- Kurator und Direktor der Frankfurter Städel-Schule, Daniel Birnbaum, ist mit seiner Schau „Weltenmachen“ im Arsenale und dem ehemaligen italienischen Pavillon vom XXL-Format abgekommen. Einen großen Coup aber wird es trotzdem geben: die Eröffnung der Dogana, des ehemaligen Zollgeländes, als riesiges Museum für zeitgenössische Kunst. Der französische Sammler François Pinault, der schon den Palazzo Grassi übernommen hat, wird dort seine Schätze präsentieren. Wenn andernorts das Zeitalter der Bescheidenheit angebrochen ist, soll es dort glitzern. 

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