Platzmangel : Frankfurt weiß nicht mehr wohin mit den Museen

In Frankfurt am Main sollen demnächst ein Fußballmuseum und ein Haus für komische Kunst weitere Besucher anlocken. Allerdings hat die Stadt keinen Platz mehr für zusätzliche Ausstellungsflächen.

Frankfurt/Main - Die Frankfurter Museumslandschaft wächst und wächst. Obwohl die Mainmetropole schon jetzt mehr als 30 Museen beherbergt und mit 207 Euro pro Kopf bundesweit die höchsten Kulturausgaben aller Großstädte verzeichnet, gibt es Pläne für weitere Ausstellungshäuser. Das Spektrum soll unter anderem um ein Museum für komische Kunst und ein Fußballmuseum erweitert werden. Auch ein Museum für Kinderliteratur und ein Ausbau des weltbekannten Senckenberg-Naturkundemuseums sind in Vorbereitung. Das Problem ist: Die Stadt hat kaum geeignete Flächen zur Verfügung.

Die Idee zu einem Fußballmuseum war dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach der viel umjubelten WM gekommen. Als Standort für eine Dauerausstellung rund um die schönste Nebensache der Welt bietet sich der Sitz des Verbandes in Frankfurt an. Anfang November bat der DFB daher Vertreter der Stadt, ein Angebot für geeignete Räumlichkeiten abzugeben.

Fußball-Museum soll in der Innenstadt entstehen

Mindestens 4000 bis 6000 Quadratmeter seien für die "Dauerausstellung zur Geschichte des deutschen Fußballs" und die ebenfalls geplanten Räumen für Erlebniswelt und Gastronomie erforderlich. "Das ist eine anspruchsvolle Flächenanforderung", sagt Frankfurts Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel. Zunächst hatte der DFB das Museum in Umgebung des WM-Stadions geplant. Mittlerweile werde aber eine Lösung im Innenstadtbereich favorisiert.

Anbieten würde sich dafür das so genannte Museumsufer am Main, wo schon jetzt 13 Museen untergebracht sind. Doch dort ist das raumgreifende Projekt laut Gangel "unter keinen Umständen realisierbar." Der Leiter des Liegenschaftsamtes weiß, wovon er spricht: Schon seit Monaten sucht das dort residierende Museum für Weltkulturen nach geeigneten Räumlichkeiten für eine Expansion. Denn von den 67.000 Objekten im Besitz des Museums können nur weniger als fünf Prozent ausgestellt werden.

Museum für Weltkulturen sucht Platz für Erweiterungsbau

"Bei einem Erweiterungsbau für das Museum der Weltkulturen hat die Stadt total versagt", kritisiert der ehemalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann, der das Museumsufer während seiner 20-jährigen Amtszeit Anfang der 80er Jahre auf den Weg gebracht hatte. Denn ein geeignetes Objekt in unmittelbarer Nähe habe die Stadt vor fünf Monaten veräußert. Für das Projekt hatte es gar schon ein Modell gegeben. "Der vorgesehene Umbau hätte aber mehr als 100 Millionen Euro gekostet, das war der Stadt zu teuer", bestätigt Gangel den Verkauf.

Etwa 20 Millionen Euro will Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) für einen Erweiterungsbau ausgeben, der zwischen 5000 und 7000 Quadratmeter Platz bieten soll. "Die Standortfrage muss noch geklärt werden", heißt es. Doch zunächst muss Gangel geeignete Räume für ein Fußballmuseum finden. Die Zeit drängt: Auch Leipzig und München sollen sich als Standorte für die Dauerausstellung angeboten haben. "Bis Ende des Jahres", so hofft Gangel, werde er dem DFB einen Vorschlag unterbreiten können.

Komische Kunst soll in Leinwandhaus einziehen

Für das geplante Museum für komische Kunst ist schon ein geeignetes Gebäude gefunden worden: Das so genannte Leinwandhaus, ein spätgotischer Bau nahe dem Dom. Dort sollen nach einem aufwändigen Umbau ab Mai 2008, Bilder, Grafiken und Karikaturen von Satirikern wie Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, F.K. Wächter oder Hans Traxler zum Schmunzeln und Nachdenken anregen.

Das geplante Museum hat bereits jetzt eine enorme Strahlkraft entwickelt. Künstler im gesamten Bundesgebiet haben mittlerweile ihre Werke zur Ausstellung angeboten. Doch von den schon 14.000 Objekten im Bestand wird auf den 1000 Quadratmetern nur ein Teil zu sehen sein und über eine eigene Depotfläche wird das Museum nicht verfügen. Der zukünftige Leiter des Museums, Achim Frenz, hat sich schon so seine Gedanken gemacht: "Das Haus ist eigentlich zu klein." (tso/ddp)

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