• Platzmangel im „Museum für Moderne Kunst“ in Frankfurt: Ein leeres Stockwerk für die Moderne

Platzmangel im „Museum für Moderne Kunst“ in Frankfurt : Ein leeres Stockwerk für die Moderne

Während in Berlin noch über einen Neubau für die Kunst der Moderne diskutiert ist Frankfurt schon einen Schritt weiter. Auch hier platzt das "Museum für Moderne Kunst" aus allen Nähten. Geld für einen Neubau gibt es nicht - dafür 1750 Quadratmeter neue Ausstellungsfläche.

Das Kunstwerk "Tischgesellschaft" von Katharina Fritsch findet in der neuen Dependance des Museums für Moderne Kunst Platz.
Das Kunstwerk "Tischgesellschaft" von Katharina Fritsch findet in der neuen Dependance des Museums für Moderne Kunst Platz.Foto: dpa

„Wir werden nicht in die Zeiten zurückkehren, wo wir alles aus öffentlichen Geldern finanziert kriegen“, sagt Museums-Direktorin Susanne Gaensheimer. „Im Gegenteil: Es geht gegen Null.“ Die Chefin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) stimmte ob dieser Erkenntnis kein Klagelied an, sondern ging das Problem mit weiblichem Pragmatismus an. So bekam sie ein drittes Ausstellungsgebäude, das die Steuerzahler keinen Cent kostet.

Das MMK sammelt internationale zeitgenössische Kunst seit 1960. Auf über 5000 Werke ist die Sammlung inzwischen angewachsen. Aber das meiste lag verpackt im Keller und im Depot. Der von Hans Hollein entworfene Museumsbau neben dem Dom ist beeindruckend, bietet aber wenig nutzbare Ausstellungsfläche.

Zum 20. Geburtstag 2011 zeigte Gaensheimer einen Teil der verborgenen Schätze in einem zum Abriss freigegebenen Bürogebäude. Eigentlich perfekt, dachte sich die Museumsfrau. „Wir müssen kein neues Museum bauen für zig Millionen, wir nutzen einfach Räume, die schon da sind.“ Es sei ihr „sonnenklar“ gewesen, dass es nie einen öffentlich finanzierten Neubau geben würde, sagt sie heute.

Das MMK bekommt ein leeres Stockwerk für 15 Jahre - ohne Miete und Nebenkosten

Also suchte sich Gaensheimer andere Partner: Tishman Speyer und die Commerz Real AG, die gerade im Bankenviertel ein Hochhaus namens TaunusTurm bauten, dazu ein paar Stiftungen und Banken. Die Immobilienbesitzer stellten dem MMK ein leeres Stockwerk zur Verfügung, für 15 Jahre, keine Miete, keine Nebenkosten. Den laufenden Betrieb übernehmen private Geldgeber wie der Unternehmer Stefan Quandt. Vier Millionen Euro kamen so zusammen.

„Ein Finanzierungsmodell, das in der deutschen Museumslandschaft einzigartig ist“, schwärmt Gaensheimer, die schon zwei Mal den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig kuratiert hat. Frankfurt sei „Vorreiter einer Entwicklung, die definitiv auf uns zukommen wird“, glaubt Quandt: „mehr privates Kapital bei sinkenden öffentlichen Etats“.

Nun hat das MMK also drei Standorte: Im „MMK 1“, dem Haupthaus am Dom, gibt es seit der Neukonzeption eine Dauerausstellung mit Klassikern der Sammlung, Schwerpunkt Pop Art und Konzeptkunst. Im gegenüberliegenden kleinen „MMK 3“ - dem ehemaligen Zollamt - präsentiert das MMK junge Künstler. Im neuen „MMK 2“ sollen die Ausstellungen alle sechs bis acht Monate wechseln.

1750 Quadratmeter Ausstellungsfläche

Das Museum im Hochhaus liegt im zweiten Stock. Fast vier Meter hohe Decken, frei verschiebbare Wände, ein paar Kabinette für Videokunst, 1750 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die erste Schau heißt „Boom She Boom“. Zu sehen sind ausschließlich Werke von Künstlerinnen. Beim Betreten findet sich der Besucher vor einem riesigen Video wieder, in dem nackte Frauen regungslos im „alten“ MMK stehen, dem Filmdokument einer Aktion von Vanessa Beecroft.

Um die Ecke steht die „Tischgesellschaft“ von Katharina Fritsch, das bekannteste Kunstwerk aus der Sammlung des MMK. „Numbers“ von Tamara Grcic ist eigens für diese Ausstellung entstanden: abgebrochene Glaszylinder, unter denen einzelne schwarze Männersocken hervorlugen. An einer Wand hängen Kriegsfotos von Anja Niedringhaus, die in diesem Jahr in Afghanistan ums Leben kam. Aber Bilder sind die Ausnahme. Dafür darf man auf dem von der Koreanerin Jewyo Rhii ausgelegten schwankenden „Moving Floor“ seinen Gleichgewichtssinn prüfen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben