Kultur : Play it again, Dan!

ANNELIE LÜTGENS

Die Kunst-Werke präsentieren sich seit ihrer Neueröffnung mit dem Zusatz KW.Mit diesen Buchstaben werden landläufig nicht wiederzubesetzende staatliche Stellen bezeichnet.KW meint im Behörden-Slang: Kann wegfallen.Man sollte sich seine Abkürzungen also genau aussuchen.KW, das wollen wir doch nicht, jetzt wo die Kunst-Werke großzügige Senatsgelder, wunderbar renovierte Räume samt Café ihr eigen nennen und mit der "Berlin-Biennale" einen vielbeachteten Neuanfang hingelegt haben.Im Gegenteil, bei so supertollen Voraussetzungen sind die Erwartungen an diese Berliner Ausstellungsinstitution entsprechend hoch.Und zwar um so mehr, als ein anderer, zwischenzeitlich finanziell wie konzeptionell darniederliegender Ort für aktuelle Kunst, nämlich das Künstlerhaus Bethanien, aufgeholt hat und wieder ansehnliche und spannende Ausstellungen bietet.

Zwar bis zur kompletten Fertigstellung noch räumlich eingeschränkt, soll der Ausstellungsbetrieb der KW auf den immerhin vier Etagen der Margarinefabrik weitergehen.Es gibt also durchaus genug Räume zu füllen, und das versucht der Leiter der Kunst-Werke, Klaus Biesenbach, zur Zeit mit zwei Einzel- und einer Gruppenausstellung.Mit der Fotoserie "I am your Mirror" von Elke Krystufek und dem Videoklassiker "Rock my religion" von Dan Graham bespielt er das untere, mit Grahams Pavillonentwürfen das oberste Stockwerk.

Es sind dies zwei dezidierte künstlerische Positionen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, es sei denn, man akzeptiert den Begriff der Spiegelung als verbindendes Element zwischen Krystufeks exhibitionistischen Körper-Etüden und Grahams partizipatorischen Architektur-Utopien oder nimmt das sich mittlerweile selbst auflösende Flimmerbild seines Videoessays "Rock my religion" aus den frühen achtziger Jahren als kulturellen background für die 1970 geborene österreichische Künstlerin.

Die doppelstöckige Mitte mit Arbeiten von Künstlern, die entweder auf der "Berlin- Biennale" vertreten waren (unter anderem Manfred Pernice, Monica Bonvicini, Tobias Rehberger, Rikritt Tiravanija, John Bock, Christoph Keller, Carsten Höller) oder denen man in den umliegenden Galerien begegnet (Steven Pippin, Liam Gillick, Olaf Nicolai, Dorothee Goltz und andere), ist dagegen etwas dünn ausgefallen.Eine Studioausstellung, aufgeblasen auf zwei Etagen, denen die beiden weißen Riesenluftballons von Thom Merrick und die Rutschbahn von Carsten Höller deutlich besser zu Gesicht stehen.Unter dem Titel "Konstruktionen" - ursprünglich von Biesenbach für das New Yorker Kunstzentrum "P.S.1" entwickelt - finden sich Skizzen und Zeichnungen zu Projekten, Rauminstallationen, Videoarbeiten oder Skulpturen.

Das wirft Fragen auf: Feiert bei diesen Ringbuchblättern hinter Glasscheiben der Mythos vom disegno, dem genialen Entwurf des Renaissancekünstlers, fröhliche Urständ? Was verbindet Bildhauerzeichnung, Projektskizze, Bühnenentwurf und die Spur, die zwei kommunizierende Faxgeräte auf dem Endlospapier hinterlassen, mehr als die Selbstreferenzialität des Betriebssystems? Oder will diese Auswahl gewissermaßen retrospektiv mystifizierend an die "Berlin-Biennale" erinnern? Wenn die Skizzen für die dort ausgestellten Werke wichtig sind, warum hat man sie dann damals nicht parallel gezeigt? Etwa Carsten Höllers Rutsche erscheint durch seine schöne Zeichnung von "Hochhausrutschbahnverbindungen" plötzlich in einem größeren (und wirklich utopischen) Ideenzusammenhang: Bauten für eine Politik der kurzen Wege.

Mit solchen Rätseln beschwert, steigt man ins Obergeschoß hinauf und wird prompt belohnt mit der gelungenen Inszenierung von acht Pavillonmodellen Dan Grahams nebst begleitendem Video, die das ganze Form- und Materialvokabular dieses für die junge Generation so wichtigen Künstlers vorführen.Glasflächen, gebogenes Plexi, Holzgitter, Aluminium, Spiegel; Kuben, Ovale, Tetraeder.Mitnichten sind dies Modelle für auszuführende Bauten; das waren auch bei Graham ganz normale (und vergängliche) bozzetti.Diese perfekten Objekte aus edlem Material entstanden für den Kunstmarkt.Graham, der zwar (meist temporäre) Pavillons im Kunstkontext, kaum aber "richtige" Architektur realisieren konnte, hat mit dem "Café Bravo" im Innenhof der Kunst-Werke den Schritt in die Gebrauchsarchitektur gewagt.Dort läßt sich abschließend bei einem Espresso darüber sinnieren, was auf dem Weg vom Modell und begehbarer Skulptur zur funktionalen Architektur so alles verlorengehen kann.Das Spielerische beispielsweise.Play (it) again, Dan! Der Wunsch geht auch an die Adresse von KW und KB: Lieber experimentelle Playstation als Durchlaufstation für "Manifesta"-Erprobtes oder "Biennale"-Abklatsch.

Kunst-Werke Berlin, Auguststraße 69, geöffnet Dienstag bis Donnerstag und Sonntag, 12 bis 18 Uhr, Freitag und Sonnabend 12 bis 21 Uhr.

Das Zugeständnis der Linken habe den rechten Anmelder jedoch bewogen, auf die Gegendemonstration zu verzichten, teilte Polizeidirektor Jürgen Jakobs, Leiter des Schutzbereichs Dahme-Spreewald, mit.

Vor allem Einzelhändler hatten aus Angst vor Krawallen ein Verbot jeglicher Demonstration gefordert.Die Polizei sagte nun eine massiven Einsatz zu, will sich aber "deeskalierend" verhalten.

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