Playa oder Platja : Spanien im Sprachenstreit

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hat sich über die katalanische Sprache lustig gemacht. Die Spanier ärgerts. Doch was zunächst als Posse erscheint, weist auf eine Auseinandersetzung hin, die an den Grundfesten des spanischen Staats rührt.

Philipp Lichterbeck

Blutgrätsche! Hätte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold doch geschwiegen. Sich über die katalanische Sprache lustig zu machen, kommt auf Mallorca, wo deren Dialekt Mallorquín gesprochen wird, ganz schlecht. Zwar kann man darüber streiten, ob sich, wie Hunold bemerkte, das katalanische Wort für Strand – „Platja“, ausgesprochen: Platscha – nun nicht gerade nach der Sprache eines Weltreichs anhört. Doch etwas mehr Einfühlungsvermögen hätte man vom Chef der wichtigsten Fluglinie auf der Baleareninsel schon erwarten können. Zumal Air Berlin auch Barcelona und Valencia bedient, wo Catalá beziehungsweise Valenciano Amtssprachen sind. So wurde Hunold, der sich nur gegen die Forderung der Balearischen Regionalregierung wehren wollte, Fluggäste künftig auch auf Catalá zu informieren, kurzerhand zur „persona non grata“ und Air Berlin zu „Air Goebbels“.

Was zunächst als Posse erscheint, weist jedoch auf eine Auseinandersetzung hin, die zurzeit an den Grundfesten des spanischen Staats und dem Selbstverständnis Spaniens als Nation rührt. Denn seit die Verfassung von 1978 den Regionen weitgehende Selbstbestimmung zusichert, haben Katalonien, Valencia, die Balearen, das Baskenland und Galicien den Gebrauch ihrer Regionalsprachen aggressiv ausgeweitet, immer mit dem Argument, dass diese von Franco unterdrückt wurden. Dabei ist es kein Problem, dass heute neun Millionen Menschen Katalanisch sprechen, zwei Millionen Galizisch und eine halbe Million Baskisch. Vielmehr ist es die Verdrängung des Spanischen aus Schulen, Universitäten und Amtsstuben. So wird etwa mit Beginn des Schuljahrs 2009/10 Baskisch zur einzigen Unterrichtssprache im Baskenland, Kritiker nennen das „Apartheid“. Erinnert sei auch an den Eklat auf der Frankfurter Buchmesse 2007, als die Schwerpunktregion Katalonien nur Autoren einlud, die auf Katalanisch schreiben.

Gegen diesen Chauvinismus haben nun 18 namhafte Intellektuelle ein „Manifest für die gemeinsame Sprache“ veröffentlicht. Zu den bekanntesten Unterzeichnern gehören der baskische Philosoph Fernando Savater und der spanisch-peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa. Sie fordern die „Verteidigung des Spanischen als demokratisches Gut“ und eine verfassungsrechtliche Garantie der Sprachwahlfreiheit. Kritiker des Manifests, das mittlerweile von 35 000 Spaniern unterschrieben worden ist, sprechen hingegen, eher belustigt, von Alarmismus. Keineswegs sei das Kastilische vom Aussterben bedroht, solange es noch von 500 Millionen Menschen gesprochen werde. „Ist Amerika die Hoffnung?“, fragten daraufhin konservative Kolumnisten.

Zumindest der Verständigung innerhalb der spanischen Fußballnationalmannschaft, von der es oft heißt, sie leide unter den Animositäten zwischen baskischen, katalanischen und den restlichen Spielern, scheint der Streit zurzeit nichts anzuhaben. Philipp Lichterbeck

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