Kultur : Playboys ohne Spielzeug

Bodo Mrozek

sucht nach Resten des süßen Lebens Sie hielten sich Jaguare zum Spaß, feierten Maskenbälle für Millionen Dollar, ließen aus dem Privathubschrauber tausende Rosen auf das Haus der Geliebten regnen und waren sich auch sonst für keinen groben Unfug zu fein. Deshalb nannte man Männer wie Porfirio Rubirosa, Gunter Sachs oder Ali Khan Playboys. Sie verkörperten den oberflächlichen Lebensstil der Popkultur des Wirtschaftswunders.

Obwohl sie mit Popmusik eher wenig zu tun hatten, war ihre Neigung zu allem, was glänzte und glitzerte, doch die extremste Ausprägung des Slogans: Live fast, die young. Bobfahren, Motorboote, Polo oder Ski waren bevorzugten Sportarten, und der Tod in den rauchenden Trümmern eines Ferrari nur der konsequente Abgang. Was ist vom radikalen Hedonismus dieser Epoche, den Wilfried Rott in seinem Standardwerk „Das süße Leben der Playboys“ (Fab-Verlag, Berlin 1998) ergründete, geblieben? In das von Elvis besungene Playboy-Paradies Acapulco reist man pauschal, und den Namen Rubirosa trägt heute eine Pfeffermühle. Die Exklusivität der Playboys starb am allgemeinen Sittenverfall: Wo sich jeder schlecht benimmt, fällt auch der reiche Exzentriker nicht mehr auf.

Wenn im 2BE Club , dem ehemaligen WMF–Domizil (Ziegelstr. 23, Mitte), heute der Waikiki Playboy Club tagt, dann braucht man sich weder das Hemd bis zum Bauchnabel aufzuknöpfen, noch einen weißen Rolls Royce zu mieten. Die von Jamaica beeinflussten Platten, die DJs wie Sammy Dread, der Chemnitzer Dancehall-Spezialist Little T (Flatline Sound) oder die mehrköpfige HipHop-Crew um B.Side und McPepi aufführen werden, sind gänzlich unhistorisch. Vom süßen Leben bleiben immerhin Obstkörbe, Gratis-Eiscreme und Blumenkränze für jeden Gast. Die Fleischeslust bedient der Grill.

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