Kultur : Playgirl und Leidensfrau

Die Filmschauspielerin Farrah Fawcett ist tot

Frank Noack
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Farrah Fawcett

Ihre letzte bedeutende Filmrolle hat sie vor neun Jahren gespielt: In Robert Altmans Komödie „Dr. T. und die Frauen“ war sie die geistig verwirrte Ehefrau von Richard Gere, die sich mitten im Einkaufszentrum auszieht. So gut sie ihre Sache auch machte, ein grandioses Leinwandcomeback sollte ihr nicht gelingen. Und dennoch stand Farrah Fawcett bis zuletzt im Licht der Öffentlichkeit.

Dabei war das Interesse, das die Boulevardmedien ihr weiterhin entgegenbrachten, nie denunziatorisch. 1995, als sie mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt wurde, posierte sie 48-jährig für den Playboy und brachte dem Magazin die höchste Auflage des Jahrzehnts ein; damit machte sie Frauen ihres Alters Mut. Drei Jahre später wurde sie von einem Mann, dessen Heiratsantrag sie abgelehnt hatte, krankenhausreif geschlagen. Dann versöhnte sie sich mit ihrem Ex-Ehemann Ryan O’Neal, der wiederum dem gemeinsamen Sohn ein paar Zähne ausgeschlagen hatte. Sie erkrankte an Krebs, erholte sich, kündigte gar eine Wiederheirat mit O''Neal an.

Dabei hatte sie ihre Karriere ganz und gar nicht als Leidensfrau begonnen. Sportlich, die weißen Zähne entblößt, dazu die unverkennbare Frisur – Fawcett war der Inbegriff des All-American-Girl und hatte es folglich schwer, im Filmgeschäft ernst genommen zu werden. Bereits in „Myra Breckinridge“ (1970) machen sich Mae West und Raquel Welch gnadenlos über das naive blonde Ding lustig. 1976 gelang ihr der Durchbruch mit der Actionserie „Drei Engel für Charlie“, die Fernsehgeschichte schrieb. Es blieb ihr berühmtester Auftritt vor der Kamera. Um ihrem Image zu entrinnen, wählte sie die harte Tour: Sie verkörperte etwa eine misshandelte Ehefrau in „Das brennende Bett“ (1984), ein Vergewaltigungsopfer in „Extremities“ (1986) und Beate Klarsfeld in „Nazi Hunter“ (1986). Verbissen hat Farrah Fawcett ihren Kampf um künstlerische Anerkennung geführt – und letztlich fast tragisch erfolglos. Dann kam der Krebs zurück: Am Donnerstag ist sie 62-jährig in einer Klinik in Santa Monica gestorben. Frank Noack

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