Kultur : Pleiten, Pech, Propaganda

Nadine Lange über einen neuen Preiseklat um Peter Handke

Liebe Literaturpreisjurys, vergesst Peter Handke! Es bringt euch nur Ärger und Peinlichkeiten, wenn ihr versucht, den österreichischen Autor auszuzeichnen. Eigentlich ist das ja seit dem Eklat um den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf vor fünf Jahren klar. Damals sperrten sich die Stadtoberen gegen die Entscheidung der unabhängigen Jury. Jetzt gibt es eine verkleinerte Neuauflage dieser Posse. Es ist ein Skandälchen mit Ansage: Peter Handke bekommt den Candide-Preis, aber nicht das Preisgeld von 15 000 Euro. Denn dem Sponsor – ein Buchbindemaschinenhersteller – passt die Wahl der fünfköpfigen Jury nicht. Er weigert sich, die Summe zur Verfügung zu stellen. Der vom Literarischen Verein Minden ausgelobte Preis sollte am 30. Oktober an Handke verliehen werden. Daraus wird nun nichts. Auch der Rettungsversuch von Jurymitglied Franziska Augstein scheiterte. Sie wollte das Preisgeld aus ihrem Privatvermögen spenden, was Peter Handke jedoch ablehnte.

Grund für den Konflikt ist wie schon 2006 Handkes Engagement für Serbien. Sein Werk hat der 1942 in Kärnten geborene Schriftsteller dadurch tief beschädigt. Denn neben seinem umstrittenen Treffen mit dem bosnischen Serbenführer Radovan Karadžik und seinem Auftritt bei der Beerdigung von Slobodan Miloševik, hat er sich auch schreibend immer wieder auf höchst zweifelhafte Weise zu Serbien geäußert.  So in seiner „Winterlichen Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina“, in der er 1996 „Gerechtigkeit für Serbien“ suchte, und dem „Sommerlichen Nachtrag“ dazu.

Einen weiterenBeleg für seine verquere Sichtweise auf das ehemalige Jugoslawien hat Handke gerade erst mit der „Geschichte des Dragoljub Milanovik“ geliefert. In einer Mischung aus Essay und Reportage beschreibt er den Fall des ehemaligen Direktors des serbischen Staatssenders RTS, der seit neun Jahren im Gefängnis sitzt, weil er das Rundfunkgebäude während des NATO-Bombardements zu spät evakuiert haben soll. 16 Menschen starben damals. Handke hält die Verurteilung für ungerecht. Doch sein Ziel, das Verdikt zurechtzurücken, torpediert er durch Ungenauigkeit und Wurstigkeit. Wenn es um recherchierbare Details geht, schreibt er „(oder so ähnlich)“, „(oder so)“, Clinton und Blair nennt er „den Bill“ und „den Tony“ . Vor allem aber versteigt er sich zu irrwitzigen Aussagen über das RTS-Programm, das während der Bombardierung nicht ein einziges tendenziöses oder gar propagandistisches Bild ausgestrahlt habe – zumindest nicht in den zwei Wochen, in denen Handke zusah. Staatsfernsehen, das im Krieg neutral war! Selbst nationalistische Serben dürfte das überraschen. Aber sie werden Handke für „Die Geschichte des Dragoljub Milanovik“ sicher noch mehr lieben als bisher. Und Preisjurys haben noch einen Grund weniger, ihn auszuzeichnen.

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