Podiumsdiskussion im Martin-Gropius-Bau : Warum Ai Weiwei dringend gebraucht wird

Der Fall Ai Weiwei gibt weiter Anlass zur Diskussion: Die Einen fordern mehr Solidarität mit dem Künstler und mehr Engagement für die Menschenrechte. Die Anderen wollen Chinas Wertevorstellungen respektieren.

von
Diskussion im Martin-Gropius-Bau. Das Banner am Eingang fordert die Freilassung des chinesischen Künstlers
Diskussion im Martin-Gropius-Bau. Das Banner am Eingang fordert die Freilassung des chinesischen Künstlers

Der ehemalige Präsident des Verbandes der deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, nennt die Verschleppung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei einen Fall, der „letztlich auch über Krieg und Frieden entscheiden könnte“. Klare Worte findet der 71-Jährige am Sonntag bei einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Why we urgently need Ai Weiwei“ im Berliner Martin-Gropius-Bau. Dabei übt der Amnesty-International-Aktivist auch Kritik an Außenminister Guido Westerwelle: Dieser hatte am Freitag bei der Eröffnung einer Ausstellung mit Werken von Ai Weiwei gesagt, die Freiheit der Kunst sei ein unschätzbares Gut. Diese Äußerung verkenne den Kern der Problematik, so Henkel. Ai sei nicht als regimekritischer Künstler verhaftet worden, sondern als Kämpfer für die Menschenrechte. Henkel zeigt sich enttäuscht über das spärliche Engagement der Berliner Kunstszene: „Es ist Gallery Weekend, Berlins Galerien sind im Fokus der Öffentlichkeit. Aber ich sehe hier keinen einzigen Galeristen im Publikum, und auch sonst wenig Aufmerksamkeit für Ai Weiwei.“

Mit Henkel diskutieren am Sonntag der Berliner Fotokünstler Thomas Demand und der amerikanische Kurator Phil Tinari, der betont, dass die Verschleppung kein chinesisches Problem sei, sondern die ganze Welt betreffe. „Wir sind alle ungeheuer vernetzt mit diesem Land. Wir hängen alle mit drin.“ Demand fordert, die Solidaritätsbekundungen in Deutschland stärker zu bündeln. Aus dem Publikum allerdings kommen an diesem Sonntag drastische Gegenstimmen: China sei eben anders, es gebe andere Wertevorstellungen, so zwei chinesische Zuschauer. Ais Fall halte nicht her für eine Grundsatzdiskussion über Menschenrechte. Ähnliche Äußerungen hatte es bereits auf vorangegangenen Veranstaltungen zum Thema gegeben. Henkel reagiert darum äußerst gereizt: Er halte diese Leute für gekauft.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben