POLITDRAMA„Von Löwen und Lämmern“ : Krieg der Worte

Christiane Peitz

Meryl Streep, die Journalistin, liefert sich einen Schlagabtausch mit Tom Cruise, dem Senator. Jedes Argument für eine neue Militärstrategie in Afghanistan zerlegt sie im Nu. Gegen die Taliban soll nun mit kleinen Einheiten gekämpft werden? Ach ja, erinnert sie sich. In Vietnam gab es auch kleine Platoons. Die Folge: noch mehr tote Soldaten.

Dies ist ein Actionfilm – der Dialoge. Robert Redford geht es nicht um Terror und Gegenterror, sondern um die Freiheit der Rede und das Schlachtfeld der Lügen. Washington, Afghanistan und Kalifornien: „Von Löwen und Lämmern“ montiert drei zeitgleich ausgetragene Wortgefechte miteinander. Erstens: der Interview-Deal des Senators mit der TV-Journalistin (sie bekommt seinen AfghanistanPlan, er erhofft sich PR für seine Präsidentschaftskandidatur). Zweitens: Zwei blutjunge US-Soldaten erinnern sich im afghanischen Schneegebirge schwer verletzt daran, wie sie sich als Ghetto-Kids an der Uni in Kalifornien abgeplagt haben. Und drittens versucht deren Politikprofessor (Redford) an eben jener Uni, einen gutbetuchten Studenten aus seiner eskapistischen Lethargie wachzurütteln. Tu was für dich und dein Land, so sein Fazit. Eine aufregende Versuchsanordnung (Drehbuch: Matthew Carnahan), eine biedere Schlusslektion.

Dabei fängt es großartig an, wenn Tom Cruise mit wenigen Gesten den kalten Erfolgstypen markiert und Meryl Streep ihre blitzgescheite Figur mit der Kampfesmüdigkeit einer Watergate-Veteranin ausstattet, die um das Versagen der US-Medien nur zu genau weiß. Aber warum lässt der Film alle Engagierten scheitern? Verlorene Illusion des Polit- und Umweltaktivisten Redford? Die Journalistin verweigert zwar ihre Indienstnahme durch die Politik, drückt sich aber auch feige vor jeder publizistischen Offensive. Und die Soldaten sterben den aufrechten Heldentod zu gehörig orgelndem Soundtrack: ein abgeschmacktes Propagandabild.

Einziger Hoffnungsträger bleibt der weiße Student, ausgerechnet jener, der von Redford persönlich bearbeitet wird. Ein eitles Finale. Kino als Powerpoint-Präsentation für Patrioten? Am Ende jedenfalls propagiert der Film die Tat – was selbst George W. Bush gefallen dürfte. Aber immerhin: In den 89 Minuten davor setzt „Von Löwen und Lämmern“ auf die Schlagkraft des Worts. Lehrstück über die Krise der amerikanischen Demokratie. Christiane Peitz

„Von Löwen und Lämmern“, USA 2007, 90 Min., R: Robert Redford, D: Tom Cruise, Meryl Streep,

Robert Redford

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