• "Politik darf nicht wegschauen" - Christian Simmert, jugendpolitischer Sprecher der Grünen, zur Studie

Kultur : "Politik darf nicht wegschauen" - Christian Simmert, jugendpolitischer Sprecher der Grünen, zur Studie

Herr Simmert[Nach wie vor gibt es Ausländerf]

Christian Simmert (27) ist jugendpolitischer Sprecher der Grünen. Der gelernte Werbeassistent sitzt seit 1998 für seine Partei im Bundestag.

Herr Simmert, Nach wie vor gibt es Ausländerfeindlicheit, besonders bei Jugendlichen im Osten. Wie erklären Sie sich das?

Es sind die Ängste vor Arbeits- und Chancenlosigkeit. Die Politik muss sich weniger mit den Argumenten der Rechtsradikalen, sondern stärker mit den Jugendlichen befassen. Das sagt auch die Studie. Programme alleine reichen nicht. Wir brauchen einen ehrlichen Dialog mit den Jugendlichen. Da sind wir zu zaghaft.

Sie sprechen von Dialog. Wie können denn Jugendliche lernen, mit Nichtdeutschen umzugehen, wenn es in ihrer Umgebung kaum Ausländer gibt?

Wir müssen Projekte fördern, um auch dort den Dialog zu fördern. Das gilt besonders im Osten, wo es kaum Ausländer, aber eine hohe Fremdenfeindlichkeit gibt. Man kann nicht von großen Plänen reden und vor Ort nichts machen. Politik darf nicht weggucken, wie das einige meiner Kollegen tun.

Mehr als zwei Drittel der jungen Ostdeutschen schätzen den Ausländeranteil in Deutschland als zu hoch ein, im Westen sind es 60 Prozent. Ist das ein Indiz für Ausländerfeindlichkeit?

Ich glaube, das ist eher eine Stimmung. Es geht ja nicht um die Jugendlichen, sondern immer um eine differenzierte Betrachtung. Hier muss Politik im positiven Sinne diskutieren und Lösungen anbieten.

Die Politik ist der Studie zufolge aber bei den Jugendlichen unten durch. Die Autoren haben einen erdrutschartigen Vertrauensverlust in die Politik festgestellt - und zwar schon vor dem Spendenskandal.

Bei dem Vertauensverlust geht es um mangelnde Teilhabe an der Politik und dem technischen Fortschritt. Um dem zu begegnen, muss Politik Entscheidungen abgeben, sie muss auf Jugendliche zugehen.

Wie etwa?

Man muss sich von Ritualen verabschieden. Man kann zum Beispiel neue Kommunikationsmittel benutzen, wie eine Homepage im Internet, die zum Dialog auffordert. Das könnte jeder Abgeordnete für sich organisieren. Da mangelt aber es oft an Kreativität. Worte allein reichen nicht, Taten sind gefordert, die die Jugendlichen erreichen.

Sie sind jugendpolitischer Sprecher der Bündnisgrünen im Bundestag. Für die Grünen interessiert sich die Jugend ganz besonders wenig. Frustriert Sie das?

Ich sehe durchaus die Gefahr, dass die Grünen zu einer Ein-Generationen-Partei verkommt. Die Verjüngung kann nicht binnen weniger Wochen erfolgen.

Die Grünen kamen doch einmal aus einer jungen Generation, die müssen doch die Bedürfnisse der Jugend kennen.

Die Bedürfnisse der Jugendlichen haben sich geändert, die Grünen sind älter geworden. Grüne Politik darf in der Bildungs- und Medienpolitik nicht schlafen.Das Gespräch führte Beatrice v. Weizsäcker

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