Kultur : Pop: Biene Maja

Johannes Hannemann

Commercial Breakup ist ein reichlich hochtrabender Name für eine Band, die unpathetischen Gute-Laune-Pop macht. Vielleicht kündigten sie deshalb ihr Konzert im Maria am Ostbahnhof unter dem programmatischen Titel "Kommerzkacke" an. "Commercial Breakup" sind tatsächlich in der Falle merkantiler Ansprüche gefangen. Zwar haben sie nicht ihre Seele, aber immerhin ihr Gesicht an die Industrie verkauft. Da Sängerin Elke Brauweiler hauptberuflich für "Paula" tätig ist, bietet sie ihren schulmädchenhaften Augenaufschlag bereits für Orbit Records feil. Also müssen die Fans von "Commercial Breakup", die bei Ladomat unter Vertrag sind, in Videos und auf Plattencovern auf den optischen Charme der Frontfrau verzichten. Ein Argument mehr, die Liveauftritte zu besuchen. Irgend jemand hatte an den falschen Reglern gezogen, und so konnte man Brauweiler zwar in voller Schönheit sehen, aber nicht hören. Ausgerechnet ihr süßlicher Gesang, der so Marianne-Rosenberg-artig aus den Lautsprechern triefen kann, war zu leise. "Commercial Breakup" gehören zu den wenigen Acts, bei denen die Mischung aus Keyboard, Piano, Schlagzeug und DJ-Set auch live funktioniert. Anstatt wie bei so vielen anderen Bands verloren neben den elektronischen Beats vor sich hin zu trommeln, bestimmen die analogen Drums den Rhythmus. Disco Beats der 70er Jahre treffen auf die Simplizität des 80er-Synthiepops und das DJ-Instrumentarium der 90er. Ähnlich wie bei "Paula" erwecken Sounds und Songs die Erinnerung an eine unbeschwerte Kindheit - irgendwann in früheren Jahrzehnten des Pop. Musik wie der Soundtrack einer Welt aus Cola, Comics und Zeichentrickfilmen.

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