Kultur : Pop: Festwiese

Ulf Lippitz

Trommeln donnern durch den Saal 1 des ICC. Dann betritt eine irische Familienband von altem Schrot und Korn die Bühne: The Corrs. Die Geschwister Andrea, Sharon, Caroline und Jim geben sich Gott sei Dank weniger militant. Hauchdünne Edelstoffe winden sich um die zierlichen Damen. Sängerin Andrea trägt rückenfrei, Violinistin Sharon lässt ihre Haare im Luftstrom eines Ventilators wehen. Die Band mischt die Harmonie der Beatles und das Pathos der Simple Minds mit Ich-tanz-mich-auf-dem-Bauernhof-frei-Gefühlen. The Corrs sind der Lied gewordene Traum von gesunden Wiesen und klaren Wassern. Lieder wie "Irresistible" könnten genausogut in den siebziger Jahren aufgenomen worden sein. Gelegentlich blubbert es aus einem Computer, ansonsten herrscht strengster Folklorismus. Geige, Flöte, Tralala. Die Flöte sieht aus wie aus der Musikschule stiebitzt, aber im Zusammenspiel mit wilden, beschwörenden Geigenakkorden entfaltet sich eine Stimmung, auf die Tourismus-Manager gieren. Irland-Urlauber springen begeistert auf, schunkeln im Tanz und setzen sich dann wieder. Andrea singt glockenhell und jodelnd: "Lo-ho-ho-ho-ho-love me". Nachher möchte man am liebsten sofort eine Wiese mähen.

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