Kultur : Pop: Superman

Nicholas Körber

Die Auftritte des deutsch-amerikanischen Synthiepop-Duos Radiostar sind immer etwas Besonderes. Am Dienstag im Dirt in der Torstraße tänzelte die Sängerin Meggin Sullivan, in Berlin lebende Künstlerin aus New York, auf den Heizkörpern zur Musik, während neben ihr reglos ein Japaner im Superman-Kostüm stand. Fünf Songs wurden live präsentiert, dazwischen kamen intrumentale Einspielungen vom Band. Obwohl alles leicht konsumierbarer Pop ist, schien das Publikum nicht so recht zu wissen, ob es sich mit oder über die Band amüsieren soll. Das hat bei "Radiostar" offenbar Prinzip. Bei einem anderen Konzert spielten sie mit dem Gesicht zum Fenster, sodass man sie nur von hinten sehen konnte. Wer sie von vorne sehen wollte, musste auf die Straße, wo man sie aber nicht hören konnte. "Radiostar" sind der Inbegriff von Minimal Electro und 80er-Revival. Beides zwei nicht enden wollende Trends in der gegenwärtigen elektronischen Popmusik. Aber wo andere aus Kalkül auf den Retrozug aufspringen, entspringt die analoge Armut hier echter Not. Anders als Darkwaver wie "And One" können "Radiostar" Authentizität für sich in Anspruch nehmen. "Ich kann mir einfach kein teureres Gerät leisten", ist die Antwort von Keyboarder Oliver Lehmann auf die Frage, warum man sich der digitalen Expansion verweigert. So spielt sich alles in den Grenzen des Yamaha Portasound-Pianos aus der elektronischen Steinzeit ab. Jeder Auftritt ist nach wenigen Songs beendet, weil die Speicherkapazität für die Bässe begrenzt ist. "Mehr als drei Bassläufe kann das Gerät sich nicht merken und ich kann nicht alle live spielen."

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