Kultur : POP

SUSANNE MESSMER

Unendliche Weiten: Ein LKW brummt über die Landstraße.Im Kassettenrecorder läuft Truck Stop und danach Gunther Gabriel.Die vorbeisausenden Eichen, Buchen, Leitplanken und Leuchtschriften verwandeln sich mit etwas Phantasie in Kakteen, schlafende Kühe in Büffel, aus Äckern wird Prärie.Aber plötzlich: "Werft mich in einen Fluß und wenn ihr Pech habt, hab ich Glück und komm mit einem Fisch im Maul zurück." Wer hätte das gedacht? Fink kommen aus Hamburg und machen Country, ein bißchen Hamburger Schule und sehr lyrische Texte.Die Stimme des Sänger Nils Koppruch ist der von Tilman Rossmy nicht ganz unähnlich, nordisch und nasal.Seine Lieder handeln vom "Loch in der Welt" und vom Leben in der Großstadt, davon, wie es ist, mit einem neuen Anzug in einer neuen Stadt zu sein: "Das Gestern hab ich abgeschnitten und mir ein Herz auf die Brust tätowiert." Im Knaack wird es einem in Null Komma nichts warm ums Herz.Das Publikum wippt andächtig auf den Zehenspitzen, mit schrägen Köpfen und versonnenem Lächeln, so, als dächte es: "Hier ist die Band, die uns durch den November bringt." Hier spielen vier Männer auf Westerngitarre, Banjo und Lapsteelguitar.Einer hat einen abgewetzten schwarzen Anzug an und streicht sich die Haare immer wieder verwegen aus dem Gesicht.Der andere erinnert an Lou Reed und hat sogar das Muttermal am rechten Fleck.Was woanders eklig werden könnte - die hier dürfen das.Denen erlaubt man sogar Kitsch und Peinlichkeiten.Und das hat etwas ungemein Beruhigendes.Gegen Ende des Abends gibt es dann noch eine Coverversion von Tocotronics "Sie wollen uns erzählen" und eine wunderbar folkige Gitarrenadaption von Kraftwerks "Autobahn".Es wird immer molliger.

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