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Neues Album

The Band on the Edge of Forever: Nicht viel Zeit

Lange kam aus Berlin nicht mehr so schöne Rockmusik wie jetzt von den Newcomern mit dem schwer einzuprägenden Namen The Band on the Edge of Forever.
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The Band On The Edge Of Forever. Sänger Neumann mit Schlips. Foto: Kretschmar
Letzte Nacht habe er einen Traum gehabt, gibt Sänger Volker Neumann zu verstehen. „Last night I had a dream“, seine Mutter sei zu ihm gekommen, um ihn in die Arme zu schließen für alles, was sie ihm angetan habe, „A bad taste in my mouth of what it’s all about.“ So beginnt das Debütalbum der Berliner Band on the Edge of Forever – mit einem melancholischen, bitteren Abschied. Dass in dem Song „Shore Leave“, der Anfang des Jahres mit seinem einprägsamen Piano und melodiösen Gesang aus den Radioprogrammen herausstach, die Geister mitreisen, sagt viel über die Gemächlichkeit, mit der vier junge Männer aus dem Mecklenburgischen sich ihrer Rock ’n’ Roll- Karriere nähern.

Eine Band am Rande der Ewigkeit wollen sie sein, doch so viel Zeit haben sie gar nicht. „Take the fast lane to where the sun always shines“, heißt es in einem ihrer Songs. Schon bevor ihre erste Single als lokaler Hit einschlug, mussten die Jungs ihre Tage einteilen. So findet das Gespräch in den Abendstunden in einem Café in Mitte statt, damit Sänger Neumann es anschließend noch zur Nachtschicht schafft. Mit The Band On The Edge Of Forever, so ihr umständlicher Name, kommt endlich wieder eine Band aus Berlin, die auf Elektrogefrickel verzichtet und sich mit der klassischen Instrumentierung einer Rock-Band begnügt. Zu Gitarre, Bass und Schlagzeug setzt ab und zu ein Klavier markante Akzente. Wer verbirgt sich hinter dieser imposant-reifen Musik, die gelegentliche Anleihen am Britpop nimmt?

Eine klassische Jungsfreundschaft verbindet die Mecklenburger Alex Dall am Bass, Gitarrist Michael Thiede und Sänger Volker Neumann: „Wir kennen uns seit der gemeinsamen Zeit im Gymnasium.“ Schlagzeuger Jens Völker kam später hinzu. Aber: „Er ist auch aus Neubrandenburg“, sagt Neumann und nickt in seine Richtung. In den Neunzigern begannen sie Musik zu machen. Grunge und Britpop gaben den Ton an, wenn nicht gerade Eurodance lief. Mit Letzterem konnten die Musiker nicht so viel anfangen. Allerdings sollte sich dann doch eine Schnittmenge zwischen ihnen und Eurodance ergeben. Dazu später.

Mittlerweile lebt das Quartett in der Hauptstadt. Im März kam ihr unbetiteltes erstes Album heraus. Vom Plattencover schauen vier junge Männer, fotografiert in sanftem Sepia. Durchaus passend zur Musik: Angenehm zurückhaltend vorgetragene Klagelieder oder in Dreiminutenundreißig verpackte verträumte Fantasien dominieren. Ein Gespür für eingängige Melodien hat die Band obendrein und glaubt auch nicht, es durch betont schrammelige Klangbilder konterkarieren zu müssen. Von der anfänglichen Grunge-Fixierung hat man sich „in Richtung von Pop-Sachen“ entwickelt, wie Neumann sagt, „dann haben wir das Klavier, die Streicher und die Orgel eingebaut“. Am Ende haben sie in eineinhalb Jahren ein konventionelles, aber frisches Rockalbum eingespielt, bei dem man sich nicht mal für die englischen Texte zu schämen braucht. So weltgewandt hat Musik aus Berlin seit „Weißes Papier“ von Element of Crime nicht mehr geklungen.

Dafür war gutes Zeitmanagement nötig. Während Dall sein Geld in der IT- Branche verdient, arbeitet Neumann als Internist. Menschliche Schicksale spielen im Leben des Arztes und Texters eine große Rolle. Viele dieser Eindrücke werden mit der Musik verarbeitet. Rock in federleicht schwingenden Arrangements. „Holiday“ etwa zeigt, wie einfach es sein kann, sein Gleichgewicht zu finden, Ängste hinter sich zu lassen und sich wohlzufühlen. Manchmal reiche es, die Augen zu schließen und zu träumen, singt Neumann.

Nachdem sie „Shore Leave“ vorab und, um ihren Wert einzuschätzen, verschickt hatten, wurden sie von den positiven Reaktionen beinahe überrollt. „Die Single hat uns so richtig Türen geöffnet“, erinnert sich der Schlagzeuger. Zwei große Plattenfirmen waren an der neuen Band interessiert. Letztendlich landeten sie aber beim Independent-Label GIM Records, das von Nosie Katzmann geführt wird. Der war in den Neunzigern vor allem als Eurodanceproduzent für Culture Beat oder DJ Bobo zuständig. Wie passt das mit Indiepop zusammen? Katzmann habe sich umorientiert, meint der Schlagzeuger und Neumann fügt lächelnd hinzu: „Er heißt wohl nicht umsonst Nosie.“ Dass er ein gutes Näschen hat, zeigt er, indem er der Band eine Chance gibt.

Konzert am heutigen Donnerstag, 18 Uhr, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Treskow-Allee 8, Karlshorst.
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