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Neue Berliner Bands

Newcomer im ZMF: Skin Diary

Komm zucken: Die Friedrichshainer Crossover-Artisten von Skin Diary traten im ZMF auf. Kennen Sie weitere hoffnungsvolle Newcomer? Schreiben Sie uns!
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Skin Diary. Foto: promo
Wie das manchmal so ist: Empfehlung bekommen, neue Band angeguckt, super Abend gehabt. Aber von vorn: Das Stadtmagazin „tip“ hat das Friedrichshainer Quartett Skin Diary bereits zu „einer der 24 besten Bands der Hauptstadt“ erklärt. Nach dem Konzert in den Backsteinkatakomben des ZMF in Mitte kann man da nur beipflichten.

Das Schlagzeug bedient der iranischstämmige Puya Shoary, auf der Band-Homepage zärtlich „persischer Zappa-Klon“ genannt. Es ist aber auch wahr: Schwarze Matte, Musketierbart, Nase – die Ähnlichkeit ist frappierend. Am Bass steht und wippt René Fläx, ein tätowierter Irokese mit Unterhemd und pinker Pluderhose. Gitarre spielt das „sizilianische Glitter Alien“ Pierprollo de Luca, mit Glatze und Glitzerhose. Der gut gelaunte Ziegenbart macht auch die Ansagen: „Hey! Wer sind wir?“

"I'm a busybody" - die Sängerin ist echt beschäftigt

„Skin Diary!“ Das ist der Name, spätestens bei Pierprollos zweiter Nachfrage erinnert sich das Publikum enthusiastisch daran. Dabei ist die sympathische und gut eingespielte Band das eine, Sängerin Jessica Jekyll aber ist noch eine Klasse für sich. Sie trägt ein schwarzes Dompteursuniformkleidchen und einen hohen Hut, der ihr beim Auf-der-Bühne-Herumwirbeln schon mal vom blonden Kopf fliegt. „I’m a busybody,“ singt Jekyll in einem Lied. Sie ist wirklich ziemlich beschäftigt.

Und diese Stimme! Wirklich ein Phänomen, dass aus einer so zierlichen Person derart rabiate Laute herauskommen. Jessica Jekyll, schuhlos in Strumpfhosen, mit Stand- und Spielmikro ausgestattet, kann todesmetallisch grunzen und röhren, lang gezogene, klare Melodien singen, aber auch kleinmädchenhaft piepsen und zwitschern. Ein Hall- und Rausch- und Doppelungseffektgerät kommt auch zum Einsatz. Und das alles meist innerhalb ein und desselben Songs. Um mal was Gewagtes zu schreiben: Bei dieser stimmlichen Bandbreite musste man bisweilen an Björk denken.

Hier geht es um Energie und Party und hohe Hüte

Die Musik ist natürlich anders. Treibende Crossover-Stücke, Rock-Riffs, warmes Noise-Gebrodel, brachiale Schreiparts, gniedelige Gitarrensoli. Mal klingt’s nach System of a Down, oft nach Tool, aber bunt, eigenständig. Immer ist die Show attitüdefrei, immer fröhlich, immer nach vorne. Der Riesenspaß, den Skin Diary zusammen haben, ist ansteckend. Hier geht es darum, das merkt man sofort, eine gute Zeit zu haben, um Energie und Party und hohe Hüte. Die Zirkusdirektorin Jekyll und ihre Band haben den kleinen Konzertkeller voll im Griff.

Ein super Abend also. In Berlin spielen Skin Diary das nächste Mal am 13. Juni im Pfefferberg, Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg. Für alle, die nicht in der Nähe wohnen, hat die Band ein Spezialangebot: „Wir holen jeden mit dem Bulli ab, der uns noch nicht live erlebt hat“ - zum Spritkostenpreis. Kann man eigentlich schlecht abschlagen.

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