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[Kommentare: 28]

Konzertkritik

Rammstein: Böse Miene, gutes Spiel

Das Monster aus der Mitte der Gesellschaft: Rammstein - Deutschlands meistgefürchtete Band - spielen vier Tage hintereinander im Berliner Velodrom mit dem Feuer.
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Schmerzensmann, geh du voran. Rammstein-Sänger Till Lindemann. - Foto: Davids/Darmer
Die Vorband hat gespielt, die Menge sich in Stimmung getrunken, die Lichter sind aus. Und was tut sich auf der Bühne? Nichts. Aus dem Innenraum steigen rhythmische Chöre ins Rund des Berliner Velodroms: „Rrramm! Stein! Rrramm! Stein!“ Wie die Kampfschreie eines Urvolks, das vor der schwarzen Grotte des Ungeheuers darauf wartet, dass es sich der finalen Schlacht stellt. Je länger die Bestie warten lässt, desto höher steigt die Spannung. Da unten vor der Bühne – ist das nicht ein Pentagramm aus Kerzen? Ach nein, es sind die Displays der Digitalkameras, die Fackeln unseres Jahrtausends.

Endlich: ein dunkles Heulen wie von fernen Sirenen, gleißendes Licht bricht durch die Bühnenwand wie Flak-Scheinwerfer. Bassist und Gitarrist schlagen sich mit Äxten den Weg frei, und aus der Mitte schreitet wie aus einer großen, brennenden Vagina der Oberschreck der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien höchstselbst: Rammstein-Sänger Till Lindemann. „Manche führen, manche folgen“, singt er in der Intonation alter Moritatensänger. „Böse Miene, gutes Spiel.“

Mit dem „Rammlied“ inszeniert Deutschlands meistgefürchtete Band jeden Konzertbeginn ihrer aktuellen Tour als Geburt, die Geburt eines Monsters, das nach jedem Kampf neu aufersteht. Dieses Monster kennt nur das Geradeaus: „Ich will Eure Blicke spüren / Jeden Herzschlag kontrollieren“. Dieses Monster ist einsam: „Und der Haifisch der hat Tränen“. Seine Reflexionsgabe reicht gerade für die Weiterleitung der Reflexe aus dem vegetativen Nervensystem: „Mir ist kalt“. Und Kontakt zu anderen kennt es nur als Rechtsanspruch („Liebe ist für alle da“) oder als Schmerz, wie im Anfang November indizierten Stück „Ich tu dir weh“.

Es ist das Spiel mit dem Feuer, das die Band und ihre Hörer reizt: Wie weit können wir gehen, bis die Eltern sich sorgen, die Lehrer uns die iPods wegnehmen und das Familienministerium auf den Plan tritt? Wenn Lindemann in der Sextourismus-Persiflage „Pussy“ unzweideutig seinen Unterleib gegen die Schaumkanone stößt, mit der er das Publikum beglückt, erinnert er an Elvis Presley, der wegen seines skandalösen Hüftschwungs im Fernsehen nur ab der Taille aufwärts gezeigt werden durfte.

Es ist auch das Spiel mit dem Feuer, das die Show bestimmt: Da ejakulieren Flammen hinter dem wie zum Ritterschlag niederknieenden Sänger, stürzen Feuer von der Decke, rasen Raketen vom Ende der Halle auf die Bühne, und am Ende brennt die ganze Wand. Industrieventilatoren senken sich herab wie gewaltige Zahnarztspiegel, verwandeln sich in blinkende Leuchtkörper und Wärme spendende Rotlichtlampen. Mit jedem Flammenwurf schießen Hitzewellen ins Publikum.

Vier Tage hintereinander inszenieren Rammstein im Velodrom ihr Weihnachtsoratorium und markieren damit den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere. Das Phänomen Rammstein ist nur live zu verstehen. Nicht nur weil in diesem wagnerianischen Totaltheater in Leni-Riefenstahl-Ästhetik die wahrlich wenig abwechslungsreiche Musik zu ihrer Bestimmung findet. Auch weil man hier die Menschen trifft, die sie mögen. Die sind erstaunlich durchschnittlich – und das Durchschnittsalter erstaunlich hoch. Überwiegend männliche Bomberjackenträger treffen auf ergraute Lehrerpaare.

Rammstein sind nicht die militante Aufbauhilfe für verunsicherte Jugendliche mit Amokläuferpotenzial. Rammstein sind Cabaret. Wenn Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz tanzt wie Chaplin, wenn er in SM-Spielen von Lindemann in der Badewanne ermordet wird, um wiederaufzuerstehen, den SS-Mantel getauscht gegen einen Paillettenanzug, fügt sich alles zur überwältigenden Nummernrevue, die extreme Gegensätze zum Schock verdichtet. Perfekt im Takt explodieren im Fritzl-Lied „Wiener Blut“ die Puppen, und zur Zugabe „Engel“ fackelt Lindemann die riesigen Flügel auf seinem Rücken ab – Rammsteins Weihnachtsgruß.

Die „Süddeutsche Zeitung“ demonstrierte kürzlich, dass es alte Arbeiterlieder und Moritaten von Brecht und Weill sind, aus denen Rammstein schöpfen. Deren soziales Potenzial geht allerdings unter in einem autistischen Selbstbehauptungszirkel. Das Beunruhigende an Rammstein sind nicht die kalkulierten Tabubrüche. Das Beunruhigende an Rammstein ist, dass sie so schrecklich normal sind. Sie bieten den Soundtrack für Autotuner und Laubenhüter, für Heckenschneider und Zaunhochzieher, für Finstergucker und Häuslebauer. Das Monster – es sitzt in der Mitte der Gesellschaft.

Weitere Konzerte am 20. und 21. Dezember (ausverkauft).

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.12.2009)
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Kommentare [ 28 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von chronos chronos ist gerade offline | 19.12.2009 18:02 Uhr
Wer hat Angst...
... vorm schwarzen Mann, Kolja Reichert und wenn er kommt, dann kommt er eben!
Wenn Sie einmal ein Rammstein-Konzert besuchen würden und sich die Mühe machen würden, die sämtlichen Gesinnungen der Besucher nur annähernd zu hinterfragen, werden Sie feststellen, mehr mitte-links orientierte Menschen dort anzutreffen, als von Ihnen befürchtet.
Aber jedem seine Vorurteile.
Comment
von koljareichert koljareichert ist gerade offline | 21.12.2009 15:45 Uhr
@chronos
Hallo Chronos, toll dass Sie auf das Spiel mit dem schwarzen Mann kamen! Das Bild hatte ich auch noch in der Hinterhand, aber offenbar habe ich es genügend angedeutet. Vielleicht haben Sie ja inzwischen meinen Artikel nochmal ohne Vorurteile gelesen und fest gestellt, dass er vor allem darauf abzielt, den gängigen Vourteilen die Luft rauszulassen und sie gegen deren Vertreter zu wenden. Vor allem habe ich die Rechts-Links-Gegenüberstellung verlassen. Schade, dass das von Ihnen offenbar gar nicht bemerkt wurde. Rechts oder links ist bei Rammstein keine fruchtbare Frage. Ich war überrascht, mich auf einer Show zu finden, in der viele aggressiv auf ihrem Recht auf freie Sicht und Durchgang zum gesicherten Sitzplatz bestanden. Gemeinsam gefeiert wurde dagegen kaum. Das war für mich an diesem Abend das Interessanteste.
Comment
von pandorix pandorix ist gerade offline | 22.1.2010 23:33 Uhr
da fällt mir nichts mehr ein
nochmal für diverse sitzplatzbesucher: o.g.
Comment
von BRDMatrix BRDMatrix ist gerade online | 19.12.2009 18:44 Uhr
Oh nein, diese Art von Journalismus...
"Rammstein - Deutschlands meistgefürchtete Band"

Immer wieder werden Sachverhalte verdreht. Das ist nicht in Ordnung und kein Zeichen guten Journalismus. Wer die Texte dieser Band kennt, der wird - meiner Meinung nach - zu dem Schluss kommen, dass es sich inhaltlich um den letzten Dreck handelt. Gewaltverherrlichung und Sexismus, Menschenverachtung überall. Es ist widerlich, dass allein der quantitative Erfolg (Geldeinnahmen, Publikumszahlen) den allerletzten Mist adelt und die meisten Journalisten auf wunderbare weise statt eindeutiger Ablehnung, eine Furcht konstatieren.
Wie bigott diese Einstellung ist, wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass bei Rammstein und Aggro-Berlin und in vielen anderen Fällen, die offene Verherrlichung von Gewalt und sexuellen Übergriffen, geduldet wird, aber an anderer Stelle, wo es um die Wirklichkeit von Gewalt geht, spitz aufgeschrien wird. Wenn man Gewalt ächtet, sollte man es überzeugend tun und auch solchen Bands, wie Rammstein klar entgegentreten. Googeln Sie einmal nach Rammstein-Texten und informieren Sie sich. Lesen Sie danach noch einmal den Artikel oben...

Gefällt mir gar nicht. Passt nicht zusammen.
Comment
von snowrider snowrider ist gerade offline | 21.12.2009 23:57 Uhr
Comment von BRDMatrix BRDMatrix ist gerade offline | 19.12.2009 18:44 Uhr Oh nein, diese Art von Journalismus...
Wie kommen Sie eigentlich zu dem Schluss, daß die Band die in den Texten beschriebenen emotionalen Zustände, Konflikte und Gewaltsituationen bejaht, gar verherrlicht. Die Texte beschreiben schlicht Phänomene,teilweise überhöht, die es in der Gesellschaft real gibt. Wenn Sie genau hinhören würden, können Sie i.d.R. zudem den beständigen Wandel und Kampf zwischen Opfer-Sein und Täter-Sein erkennen. Liegt Ihre Annahme darin begründet, dass die Texte in der Ich-Form vorgetragen werden? Ich vermute, es liegt an der Glaubwürdigkeit der Musik, d.h. an der Einheit von Inhalt und Form. Für mich schafft es Rammstein wie wenig andere deutschsprachige Bands, Text/Inhalt durch Gesang und Musik physisch erlebbar zu machen. Für mich große Kunst, große Oper, voller Humor jenseits jeder Form des Gutmenschentums.
Übrigens: Schon in der Antike wurde der Überbringer einer schlechten Nachricht höchstpersönlich als Täter umgebracht.
Comment
von mimimat mimimat ist gerade offline | 19.12.2009 18:49 Uhr
Hinzu kommt...
...dass Rammstein z.T. aus "Feeling B", einer Ost-Punk-Band hervorgegangen sind. Und Punks sind wohl doch recht weit weg von rechts, ne? :-)
Comment
von pandorix pandorix ist gerade offline | 19.12.2009 21:00 Uhr
Beeindruckendes Erlebnis
Wir wohnen hier im Kiez. Bin gestern abend meinem Sohn nachgestiefelt (Velodrom) um ihm noch eine vergessene DigiCam zu bringen. Ca. 15 min vor Einlassbeginn war der Auflauf schon enorm. Trotzdem gelang es mir fast problemlos zu Ihm durchzukommen. Überall wurde trotz der Enge versucht Platz zu machen. Selbst war ich sehr überrascht von der fast internationalen, entspannten, freundlichen Stimmung. Spanisch, Französisch und öfter Englisch kamen mir auch lachend zu Ohren. Dies, obwohl viele schon (wie auch mein Sohn) schon mehr als zwei Stunden bei der Kälte ausharrten. Gerade mal 2-3 kräftige Männer mussten die ca. 50 m lange Puffergasse zum Einlass überwachen. Absperrungsmaterial: normales, rotweißes Kunststoffband! War irgendwie richtig stolz auf das lockere und trotzdem disziplinierte Verhalten dieser Menschenmenge. Mein Sohn war nach dem Konzert und ist btw. noch heute auf Endorphine-Trip..

Rammstein muss man nicht aber kann durchaus sehr gut finden. Das Themen-Konzept von Rammstein findet seinen Nährboden in den selbstverlogenen Moral-Konventionen unserer Gesellschaft. Vor allem junge Menschen finden ihre realen Problemwelten bestätigt. Das etablierte Wertekonzept schafft bei vielen Menschen Defizite bis hin zu manifestierten Emotionaldefekten. Genau da setzen Lindemann’s Texte an. Weil mich als Vater Lindemann&Co. ebenfalls inspirieren, erreiche ich meinen Sohn und kann einiges für Interpretation und Relativierung tun.

@BRDmatrix
Den Hauptartikel empfinde ich schon als wenig kompetent. Unfaire Aggression jedoch habe ich nur in Ihrem Kommentar wahrgenommen. So gesehen passt Ihr Login. „Matrix“ spiegelt ja auch als Film scheinbares Leben wieder.
Zum Schluss:
Rammstein
Sie zu hören macht mich stolz
denn langsam wächst nur hartes Holz
So viele Jahre sind vergangen
Doch bisher konnt’ Sie keiner fangen
Wenn Baumes Grün dann Himmel spürt
Macht neidisch längst den Waldbrand schürt
Nun heißt es wach und mutig bleiben
Kraft wird sich auch dank Vorsicht zeigen
Comment
von BRDMatrix BRDMatrix ist gerade online | 19.12.2009 21:48 Uhr
pandorix:
Ja, muss man wirklich nicht mögen.

Rammstein:
"Buck dich befehl ich dir
wende dein Antlitz ab von mir
dein Gesicht ist mir egal
buck dich

Ein Zweibeiner auf allen Vieren
ich fuhre ihn spazieren
im Passgang den Flur entlang
ich bin enttauscht
Jetzt kommt er ruckwarts mir entgegen
Honig bleibt am Strumpfband kleben
ich bin enttauscht total enttauscht

Buck dich...
das Gesicht interessiert mich nicht

Der Zweibeiner hat sich gebuckt
in ein gutes Licht geruckt
zeig ich ihm was man machen kann
und ich fang zu weinen an

Der Zweifuss stammelt ein Gebet
aus Angst weil es mir schlechter geht
versucht er tief sich noch zu bucken
Tranen laufen hoch den Rucken

Buck dich...

Buck dich befehl ich dir
wende dein Antlitz ab von mir
dein Gesicht ist mir egal
buck dich nocheinmal

Buck dich..."


Tolles Material für Jungs und Mädchen, die durch die Einlasskontrollen in die Lichtarena Rammsteins schreiten dürfen. Ganz große Kunst. Leni Riefenstahl wäre auch ganz hingerissen. Und Albert Speer erst, aber nein auch.

Tut mir leid, ich will nicht unhöflich sein, aber für mich ist Rammstein Dreck.
Comment
von rony73 rony73 ist gerade offline | 29.12.2009 3:20 Uhr
es gibt andere texte
rammstein ist allumfassend und du suchst natürlich wieder eins der lieder raus die halt etwas härter sind bist ein schlauer mensch ^^
Comment
von pandorix pandorix ist gerade offline | 19.12.2009 23:03 Uhr
Auch wenn es vielleicht zwecklos ist...
...ich hatte diesen Song (Bück Dich) und viele andere als überdeutliche Bloßstellung/Kritik von emotionaler, sozialer Verarmung "das Gesicht interessiert mich nicht" und dementsprechender "Kontakt-Praktiken" begriffen. Lindemann arbeitet offensichtlich mit einem Teil dieser Texte seine traumatische Kindheit (u.a. Karriere-Eltern) auf. Der gesamtgesellschaftliche Nutzen, welcher aus Bloßstellungen dieser Art entsteht, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Viele junge Menschen finden so eine Resonanzebene für Ihre oft unwillkürlichen Probleme und bewältigen diese letztendlich! Für diese legt Rammstein einen sanften Finger auf die Wunde. Für manchen unserer etablierten Krawatten-Correctness sticht er logischerweise in ein Hornissennest. Genau diese Clientel surft am meist öffentlich finanzierten Arbeitsplatz auf diversen Webseiten, schnüffelt im WC die Stimmung wieder zurecht und stuft die Mitarbeiter nach Ihren Tischsitten ein.

Letztendlich finde ich aber fair, dass Sie geantwortet haben. Was dieser Vergleich mit den Nazis soll verstehe ich allerdings nicht wirklich. Albert Speer hätte mit Sicherheit auch in der Bundesrepuplik eine Top-Karriere gemacht. Ich habe echte NeoNazis kennengelernt. In der DDR mit SED-Parteiabzeichen. All diese Mitmenschen mit Rechtsparanoia sollten sich mal Tassen für Linkshänder kaufen und deren Handling gründlich testen.

Na also, der vorherige Satz war doch fast "LL!" -> LindemannLike ;-]

grüße pandorix
Comment
von BRDMatrix BRDMatrix ist gerade online | 20.12.2009 11:47 Uhr
@pandorix
"Viele junge Menschen finden so eine Resonanzebene für Ihre oft unwillkürlichen Probleme und bewältigen diese letztendlich!"

Eine wirklich steile These, die, mit einem Ausrufezeichen versehen, eher Wunschdenken oder billiges Erklärungsmodell sein muss.

Die "Resonanzebenen" können auch einen gegenteiligen Effekt haben. Die Verbindung zu Leni Riefenstahl und Albert Speer leite ich aus der Ästhetik von Rammstein ab, ganz einfach. Es ist eine pseudoreligiöse Ästhetik der Überhöhung von Stereotypen eines männlichen Selbstbildes, das gewaltverherrlichend ist und reichlich gaga. Aber, wem´s gefällt...
Comment
von rony73 rony73 ist gerade offline | 24.12.2009 19:53 Uhr
menschen
es gibt menschen die musik hören und versuchen sie zu verstehn
und es gibt menschen die musik hören aber nicht verstehn wollen was damit gemeint ist sie achten nur auf die oberfläche und meiner meinung nach gehörst du dazu
Comment
von rony73 rony73 ist gerade offline | 30.1.2010 20:19 Uhr
uneinsichtigkeit
Wer Rammstein kennt weiss das dass was sie singen nicht ihre meinung ist

sie zeigen mit ihrer musik nur die dinge die auch jeden tag auf der welt passieren oder was die meinung von anderen menschen ist
aber nein da gibt es ja so uneinsichtige menschen wie dich die meinene sie wüssten über alles bescheid
Comment
von pandorix pandorix ist gerade offline | 20.12.2009 0:10 Uhr
Beeindruckendes Erlebnis
Wir wohnen hier im Kiez. Bin gestern abend meinem Sohn nachgestiefelt (Velodrom) um ihm noch eine vergessene DigiCam zu bringen. Ca. 15 min vor Einlassbeginn war der Auflauf schon enorm. Trotzdem gelang es mir fast problemlos zu Ihm durchzukommen. Überall wurde trotz der Enge versucht Platz zu machen. Selbst war ich sehr überrascht von der fast internationalen, entspannten, freundlichen Stimmung. Spanisch, Französisch und öfter Englisch kamen mir auch lachend zu Ohren. Dies, obwohl viele schon (wie auch mein Sohn) schon mehr als zwei Stunden bei der Kälte ausharrten. Gerade mal 2-3 kräftige Männer mussten die ca. 50 m lange Puffergasse zum Einlass überwachen. Absperrungsmaterial: normales, rotweißes Kunststoffband! War irgendwie richtig stolz auf das lockere und trotzdem disziplinierte Verhalten dieser Menschenmenge. Mein Sohn war nach dem Konzert und ist btw. noch heute auf Endorphine-Trip..

Rammstein muss man nicht aber kann durchaus sehr gut finden. Das Themen-Konzept von Rammstein findet seinen Nährboden in den selbstverlogenen Moral-Konventionen unserer Gesellschaft. Vor allem junge Menschen finden ihre realen Problemwelten bestätigt. Das etablierte Wertekonzept schafft bei vielen Menschen Defizite bis hin zu manifestierten Emotionaldefekten. Genau da setzen Lindemann’s Texte an. Weil mich als Vater Lindemann&Co. ebenfalls inspirieren, erreiche ich meinen Sohn und kann einiges für Interpretation und Relativierung tun.

@BRDmatrix
Den Hauptartikel empfinde ich schon als wenig kompetent. Unfaire Aggression jedoch habe ich nur in Ihrem Kommentar wahrgenommen. So gesehen passt Ihr Login. „Matrix“ spiegelt ja auch als Film scheinbares Leben wieder.
Zum Schluss:
Rammstein
Sie zu hören macht mich stolz
denn langsam wächst nur hartes Holz
So viele Jahre sind vergangen
Doch bisher konnt’ Sie keiner fangen
Wenn Baumes Grün dann Himmel spürt
Macht neidisch längst den Waldbrand schürt
Nun heißt es wach und mutig bleiben
Kraft wird sich auch dank Vorsicht zeigen
Comment
von kleineslicht kleineslicht ist gerade offline | 20.12.2009 9:55 Uhr
Genau das...
...sind die "Diskussionen", die diese Band anfachen wollen.
Chapeau, Rammstein - Ziel erreicht!
Die "Rechten" der Hörerschaft fühlen sich sofort auf den Leder-
schlips getreten, obwohl im Artikel nichts über "Rechte" steht,
die "Linken" kontern sofort blind drauf los. Köstlich!
Man sieht, nicht nur in Ihrer Musik und Show verstehen es Rammstein perfekt, unsere kleingeistige Welt zu karikieren,
sondern schaffen es darüber hinaus auch noch,den Weg des täg- lichen gesellschaftlichen Dialogs mit Reissnägeln vollzustreuen.
Comment
von unbekannt | 20.12.2009 10:59 Uhr
Rammstein ist rechts?
Falsch, vor ungefähr vier Monaten war Rammstein zu Besuch in Hamburg. Rammstein besuchte auch die rote Flora. Rammstein spendete 20.000 Euro und äusserte sich mal im MTV, dass Rammstein Symphatie für die aktiven Linken hegt.

MfG
Comment
von berlinfahrer berlinfahrer ist gerade offline | 20.12.2009 11:32 Uhr
Ich denke das Rammstein die Antwort selber gegeben hat
Song: Los!

Wir waren namenlos,
und ohne Lieder
Recht wortlos
waren wir nie wieder

Etwas sanglos
sind wir immer noch
dafür nicht klanglos,
man hört uns doch

Nach einem Windstoß
ging ein Sturm los
Einfach beispiellos...
Es wurde Zeit-

LOS!

Sie waren sprachlos,
so sehr schockierend.
Sehr ratlos
was war passiert?

Etwas fassungslos
und garantiert verständnislos
Das wird zensiert!
Sie sagten Grundlos:

"schade um die Noten
so schamlos,
das gehört verboten
es ist geistlos,

was sie da probieren
so geschmacklos,
wie sie musizieren

Es ist hoffnungslos...
Sinnlos... Hilflos...
Sie sind Gott....LOS!"

Wir waren namenlos -
wir haben einen Namen
Waren wortlos -
die Worte kamen

Etwas sanglos -
sind wir immer noch
Dafür nicht klanglos -
das hört man doch

Wir sind nicht fehlerlos,
nur etwas haltlos
Ihr werdet lautlos,
uns nie LOS!

Wir waren namenlos,
und ohne Lieder
Recht wortlos
waren wir nie wieder

Etwas sanglos
sind wir immer noch
dafür nicht klanglos,
man hört uns doch

Nach einem Windstoß
ging ein Sturm los
Einfach beispiellos...
Wurde zeitlos!


Wir waren LOS!
wir waren LOS!

Wer sie nicht mag, geht nicht hin, fertig. Ich fand die Konzerte bis jetzt super. Wer achtet schon auf die Texte und hinterfragt sie wenn er zu einem Konzert geht? Wer zu Rammstein geht will Show, Laut etc.
Comment
von BRDMatrix BRDMatrix ist gerade online | 20.12.2009 12:06 Uhr
berlinfahrer:
"Wer achtet schon auf die Texte und hinterfragt sie wenn er zu einem Konzert geht? Wer zu Rammstein geht will Show, Laut etc."

Sie sind wenigstens ehrlich und sagen, wie es ist. Unreflektiertes Annehmen einer großen Show. Das wär nichts für mich, dafür wäre ich mir zu schade. Dafür wäre mir meine Zeit zu schade und mein Hirn.
Comment
von berlinfahrer berlinfahrer ist gerade offline | 20.12.2009 14:11 Uhr
Das ist kein Reinhard Mey Konzert
Da geht man nicht wegen der Texte hin. Die Texte selber sind zum Glück so einfach gehalten, das man leicht mitgröhlen kann. Dementsprechend ist auch immer Stimmung bei den Konzerten und es macht einfach Spaß da zu sein.

Außerdem sprechen ausverkaufte Konzerte wohl eine eigene Sprache. Das einzige, was ich zu mäkeln habe ist der Kartenverkaufs über den Rammstein Club. Nicht besonders Verbraucher freundlich.
Comment
von unbekannt | 20.12.2009 19:24 Uhr
Der Erfolg Rammsteins beruht auf dem Bösen
Ich bin gestern auf dem Konzert gewesen, ziemlich nah an der Bühne. SUPER SHOW, die man gesehen haben MUSS (egal wie man die Songs findet), aber ich achte sehr wohl auch auf die Texte, hab sie größtenteils mitgesungen.
Und typischerweise verdeutlichen Rammstein nur das, was in der Realität passiert, "Willkommen In der Wirklichkeit", aber eben das Böse und nicht Friede, Freude, Eierkuchen.
Würden Rammstein sich mit solchen Texten abgeben, wie die meisten anderen Bands, wäre ihr Erfolg deutlich geringer. Sie wären nur eine von tausenden anderen. Außerdem brauchen die einen Grund, die halbe Bühne abzufakeln und das geht mit friedlichen Liedern eher schlecht.
Der sensationelle Erfolg von Rammstein spricht eigentlich für sich und das, trotz der häufig negativen Berichterstattung in den Medien. Darüber sollte vielleicht mal der ein oder andere Kritiker nachdenken.
Comment
von halfscot halfscot ist gerade offline | 21.12.2009 6:45 Uhr
MUSS man gesehen haben?
Können Sie auch nur einen sinnvollen Grund dafür angeben, warum ein gesunder Mensch, der Musik mag, ein Rammsteinkonzert gesehen haben MUSS? Die Texte dieser Band sind pubertär, primitiv, geschmacklos, die Musik ebenso. Es gibt auch viele Menschen, die sehr gemischte Gefühle bezüglich der Wahl des Bandnamens haben.
Der Publikumsgeschmack, den Sie hier als Gradmesser für Qualität bemühen, ist auch für den Erfolg von Bushido, Sido oder unserer zünftigen "Volks"musikanten verantwortlich und stellt uns leider ein sehr schlechtes Zeugnis aus.
@berlinfahrer - Zum Reinhard Mey Konzert würde ich auch nicht unbedingt gehen, auch wenn seine Texte deutlich besser sind.
Comment
von unbekannt | 20.12.2009 18:53 Uhr
Hauptsache links
...wird die Musik der Toten Hosen besser, nur weil sie links
sind ? Was für ein Kriterium...Leni Riefenstahl war - glaube ich - auch nicht links, aber dennoch eine ausgezeichnete, wenn nicht sogar die beste deutsche Filmemacherin.
Und Rammstein kann man schon einmal gesehen haben. Meine erste
Begegnung mit ihnen war, als sie Support der geschätzten Ramones waren.
Comment
von unbekannt | 22.12.2009 2:50 Uhr
Hey, cooler bruder!!
Kommentare?
Kommentare ist ziemlich egal.
Ich mag Rammstein. aber Manche Leute mögen es nicht.
Rammstein-Fan muss das auch verstehen! mann!!
aber Rammstein ist sowieso cool. ha ha ha

ja, Ich glaube du hast ganz gute artikel geschrieben.
du bist beste Journalist in ganzen Welt.
Ich bin froh das du mein Bruder bist.

keep cool. from, rote japse
Comment
von unbekannt | 24.12.2009 5:21 Uhr
So ist das ...
Die Mitglieder der "JazzeBand"(O-Ton Erich);-) Rammstein haben gar keine Zeit, momentan...Sind auf Weltreise,reise.(Rammstein.de zum nachlesen) Was Ihr "verbalstandet(t)" verstehen Jugendliche nicht. Bitter,bitter,ne war ?
wyw
Comment
von mariam mariam ist gerade offline | 23.12.2009 12:09 Uhr
@ berlinfahrer:
"Wer achtet schon auf die Texte und hinterfragt sie wenn er zu einem Konzert geht?"

Ich! Und das sollte jeder machen - Sizzla, Bushido und ähnlichen Idioten mit ihren Schwulen- oder Frauenfeindlichen Texten sollte man keine Plattform geben.

Comment
von rony73 rony73 ist gerade offline | 24.12.2009 19:56 Uhr
oberflächlich
es gibt menschen die musik hören und versuchen sie zu verstehen das muss man bei rammstein auch sonst kann man sie auch nicht mögen

dann gibt es noch menschen die nur auf die oberfläche der musik achten wie du BRDMatrix diese menschen hören die musik einfach und denken ach der singt von sex also ist er pervers solche menschen nenne ich Spießbürger[b][/b]
Comment
von unbekannt | 15.1.2010 10:55 Uhr
publikum
Rammstein regt dazu an sich mit Tabu-Themen bzw. Tabu-Phänomenen zu beschäftigen.
Warum ist ein Tabu ein Tabu?
Warum existiert ein bestimmtes Gesellschaftliches Phänomen?
Welche Hintergründe bewegen teile der Gesellschaft zu bestimmten Handlungen bzw. bestimmtem Verhalten?

Nur wenn sich eine Gesellschaft mit Ihren Tabu's, ihren Randgruppen und Randphänomenen auseinandersetzt und versteht was diesen den Nährboden gibt, kann die Gesellschaft als Ganzes ihre Probleme überwinden.

Sobald es reale gesellschaftliche Probleme gibt, welche nicht in einen gesellschaftlichen Dialog aufgenommen werden entsteht Verlogenheit, gesellschaftsinterne Fronten, Subkulturen, Intoleranzen, Missverständnisse, und viele andere negative Begleitphänomene.

Eine tolerante, offene, sich selbst unterstützende Gesellschaft die ihre Probleme bewältigt kann nur entstehen wenn man dem Unangenehmen nicht AUSWEICHT, es nicht VERTEUFELT, es nicht IGNORIERT, sondern sich damit auseinandersetzt.
Comment
von pandorix pandorix ist gerade offline | 16.1.2010 15:05 Uhr
@publikum
cooler Post. Danke!!!

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