Alberto Zedda zum 80. : Herr Rossini sucht das Glück

Zum 80. Geburtstag des Dirigenten Alberto Zedda.

Frederik Hanssen

Wie buchstabiert man den Namen von Alberto Zedda? R-o-s-s-i-n-i! Der italienische Dirigent, der heute 80 Jahre alt wird, und der italienische Komponist, der von 1792 bis 1868 lebte, bilden seit Jahrzehnten eine unzertrennliche Einheit. Wenn sich für die virtuosen Koloraturpartien in Rossinis Opern mittlerweile leichter herausragende Sänger finden lassen als für Richard Wagners Musikdramen, so ist das auch Alberto Zedda zu verdanken.

Unermüdlich hat sich der 1928 in Mailand geborene Maestro für das Werk seines Landsmannes eingesetzt, hat rund um den Globus gegen das Vorurteil andirigiert, Gioacchino Rossini sei als Komponist nur ein Leichtgewicht, nichts weiter als eine heitere Fußnote der Musikgeschichte. Gleich zu Beginn seiner Karriere stellte Zedda die im Bühnenalltag gebräuchlich gewordene Fassung des „Barbiere di Siviglia“ infrage, holte sich das verstaubte Autograf aus dem Archiv, rekonstruierte die Urfassung – und gab damit die Initialzündung zur kritischen Rossini- Ausgabe, an der er bis heute aktiv als Mitherausgeber beteiligt ist.

Vor allem für die opere serie, die Partituren mit ernsten, dramatischen Handlungen, machte er sich dabei immer wieder stark, seit er das Rossini-Geheimnis für sich gelüftet hatte. Im Interview erklärt er es so: „Wenn Sie Rossini so dirigieren, wie es in der Partitur steht, ist er der langweiligste aller Komponisten. Bei Rossini braucht man einfach Fantasie, Kreativität, der Rhythmus muss leben. Ich sage meinen Sängern immer: Fühlt euch frei, improvisiert!“ Als Dirigent des 1980 gegründeten sommerlichen Rossini-Festivals in Pesaro, der Geburtsstadt des Komponisten an der Adria, hat Zedda mehreren Generationen von Sängern seine Auffassung von Belcanto als mitdenkendem Singen nahe gebracht.

Mit Berlin verbindet den Dirigenten eine lange Geschichte, die als Arbeitsbeziehung begann und schließlich doch eine Liebesaffäre wurde. Schon 1956 hatte der junge Italiener an der Deutschen Oper debütiert, die damals noch im Theater des Westens residierte. In der Eröffnungssaison des Neubaus an der Bismarckstraße 1961/62 wurde er dann als Kapellmeister engagiert, durfte die Übernahmepremiere von Carl Eberts „Falstaff“-Produktion mit Bühnenbildern von Caspar Neher leiten. Eine Saison noch blieb er dem Haus verbunden, dann folgte eine lange Generalpause. 1982 schaute er für eine „Bohème“ vorbei – doch erst mit Kirsten Harms’ Inszenierung von Rossinis „Semiramide“ kam er 2003 wirklich nach Berlin zurück. Und wurde zum Publikumsliebling, stets begeistert bejubelt für die konzertanten Rossini-Aufführungen, zuletzt für eine grandiose „Donna del lago“ im Dezember. Der Maestro selber lenkt im Interview einen Teil der Publikumsdankbarkeit gleich auf seinen ewigen Heroen um: „Ich glaube, die Leute applaudieren nicht nur dem Dirigenten Zedda, der vielleicht ein guter Dirigent ist, aber sicher kein außergewöhnlicher, sondern sie applaudieren auch meiner Liebe für Rossini.“ Künftig will er dieser amore vor allem wissenschaftlich dienen, nur noch wenig dirigieren. Dennoch darf man darauf hoffen, dass es Kirsten Harms gelingt, Alberto Zedda weiterhin an die Deutsche Oper zu locken. Arrivederci, Maestro! Auf baldiges Wiedersehen! 

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