Aloe Blacc – Good Things : Erinnerungen an eine große Zeit

Soulmusik hat sich in den letzten Jahren erfolgreich vom plastikhafen R’n’B  emanzipiert. Ein weiteres Beispiel dafür liefert Aloe Blacc mit seinem zweiten Album Good Things.

Martin Väterlein
Früher Rapper heute Souler: Aloe Blacc
Früher Rapper heute Souler: Aloe BlaccFoto: Universal

Dem 31-Jährigen sind Aufnahmen geglückt, die tief in die goldene Zeit des Soul gleiten, wobei sich Blacc tapfer an die Großen hält: Bill Withers und Marvin Gaye. Sowohl textlich als auch klanglich bleibt er seinen Vorbildern treu. Nur hier und da lassen die Arrangements erahnen, dass man ein Werk aus dem Jahr 2010 auf dem Plattenteller liegen hat.
Besonders erfreulich ist dabei, dass jedes Stück seinen eigenen Charakter entfaltet. Soul bildet die Grundlage. Darauf werden je nach Laune und Geschmack begleitet von einem Basssound mit Suchtpotential Schichten aus Reggae, Funk oder Beatles-Harmonien gelegt. Die fast schon altersweise Entspanntheit des Gesangs und ein überdurchschnittliches Songwriting bewahren Blacc davor in die Gefilde des frühen Lenny Kravitz zu geraten.

Good Things ist prall gefüllt mit potentiellen Hits, Liedern, die sich schnell im musikalischen Gedächtnis einnisten. Gerade dem Opener I need a Dollar – Titelmelodie der TV-Serie „How to make it in America“ - sollte der Weg durch die Hitparaden geebnet sein.  Und doch gibt es trotz der unverkennbaren Qualitäten dieses Albums, das in limitierter Auflage als Dreifach-LP herauskommt, einige wenige Kritikpunkte. Zum einen muss Blacc aufpassen, dass er nicht zu entspannt rüberkommt. Zum anderen hätte ein wenig mehr Energie, eine Spur mehr Funk, dem Ganzen gut getan.

Wenn jedoch Soul als ewiger Subtrend so frisch daherkommt wie bei den ebenfalls hervorragenden Kings Go Forth oder bei Aloe Blacc, dürfen gern weitere Alben im Fahrwasser von Mayfield, Gaye oder Withers folgen.

 

Ebenfalls neu auf Vinyl:

Genauso großen Spaß macht Chromeos dritte Scheibe Business casual. Unter Einsatz von viel Vocoder-Gesang und Keyboard-Geklingel geht es zurück in die frühen 80er Jahren, als Disco zwar schon halbtot war, aber doch noch lebendig genug, um auf mancher Party für Stimmung und gefüllte Tanzflächen zu sorgen.
Weniger leicht verdaulich ist Squarepushers neuester Streich. Unter dem Bandnamen Shobaleader One veröffentlicht er gemeinsam mit ein paar vorwiegend aus der Metalecke stammenden Buddies das Album d’Demonstrator. Die Jungs fabrizieren Grooves, die auf eigenartige Weise Art-Rock, Electronic, Krautiges und die typischen Sounds des Ed Banger Labels zu vereinen trachten. Interessant? Ja. Zukunftsweisend? Man wird sehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben