Auftritt der Woche : Jan Plewka: Eine Runde Rio

Seine Band Selig hat sich wiedervereinigt. Bevor das erste gemeinsame Album nach Jahren erscheint, geht Sänger Jan Plewka aber noch einmal solo auf Tour. Mit einem Rio-Reiser-Programm.

Jörg W,er
Jan Plewka
Wieder auf Tour. Seine Band Selig hat sich wiedervereint. Aber noch einmal geht Jan Plewka auf Solo-Tour. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Ein Pärchen tuckert im VW Bulli durch den sonnigen Süden und bringt die Menschen mit einer putzigen Rockband-Marionettenbühne zum Lachen. Im Video zur neuen Single „Schau Schau“ skizzieren Selig ein verwunschenes Hippie-Utopia. Selig? Genau die. Die einstigen Vorzeigerocker des „German Grunge“ haben sich nach zehn Jahren wiedervereinigt.

Ein überraschendes Comeback, das Jan Plewka ein ereignis reiches Frühjahr bescheren dürfte. Bevor er als alter und neuer Selig-Sänger mit seinen Kollegen auf Tour geht, gastiert er Freitag und Sonnabend im Kesselhaus der Kultur brauerei mit seinem bewährten „Jan Plewka singt Rio Reiser“-Programm. Man kann davon ausgehen, dass der Laden wie im vorigen Jahr wieder voll sein wird, wenn Plewka die Gassenhauer der Hausbesetzer-Helden Tone Steine Scherben zum Besten gibt.

Dass er in den Neunzigern, obwohl mit Selig schon vom Erfolg geküsst, noch zu schüchtern war, um seinem Jugendidol beim Konzert gegenüberzutreten, mag man kaum glauben, wenn man erlebt, mit welcher Entschlossenheit er sich die Songs von Rio Reiser aneignet. Während Plewkas Begleitcombo, die Schwarz- Rote Heilsarmee, den bröseligen Folk- Groove der Scherben und die polierte Eleganz von Reisers Solo-Songs aus den 80ern authentisch nachstellt, überzeugt der 38-Jährige gerade deshalb, weil er das Original nicht imitiert: Mit seiner kratzig-charismatischen Intonation gibt Plewka den Stücken einen eigenen Charme. So dürfte es bei „Keine Macht für Niemand“, „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ oder dem „Rauch-Haus- Song“ wieder rührende Verbrüderungsszenen zwischen Künstler und Publikum geben. Und wem bei „Junimond“ nicht mal ein kleiner Kloß im Halse steckt, der hat niemals Liebeskummer gehabt.

Und Selig? Deren urplötzliche Trennung hat kaum jemand verstanden. Immerhin standen sie vor dem großen Karrieresprung, als sie mit ihren Songs für den Kino-Blockbuster „Knocking on Heaven’s Door“ ein über alle Genregrenzen hinausreichendes Publikum erreicht hatten. Doch vor dem Superstar-Ding, das Selig in die Dimensionen von Scorpions und Tote Hosen katapultiert hätte, bekamen die vier Nordlichter kalte Füße und gingen 1998 im Streit auseinander. Jan Plewka setzte sich frustriert nach Schweden ab und wollte von einer Fortsetzung der Musikerkarriere nichts wissen. Zum Glück appellierte ein alter Freund, der Schauspieler Marek Harloff, erfolgreich an seine Künstlerehre, sonst wäre der deutschen Popmusik eine ihrer bemerkenswertesten Stimmen verloren gegangen. Neben Soloprojekten und seiner Mitgliedschaft bei den Bands Zinoba und Tempeau hat sich Plewka als Schauspieler und Opernsänger ausprobiert. Im vorigen Jahr war er zum Beispiel der Papageno in der „Zauberflöte“ auf dem U-Bahnhof Bundestag.

Ob Selig an die früheren Erfolge anknüpfen können, wird wohl die Qualität ihres Ende März erscheinenden Albums entscheiden. „Schau Schau“ jedenfalls klingt vielversprechend. Vorausschauende Menschen besorgen sich zeitig eine Karte für den 19. März: Da spielen Selig im Kesselhaus. Wenn alles gut läuft, sieht man sich dann später in größeren Locations wieder. Jörg Wunder

Freitag und Samstag im Kesselhaus, Beginn 21 Uhr, Karten kosten 25 Euro

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