Bam-Bam : Kyuss in der C-Halle

16 Jahre nach ihrer Auflösung treffen Kyuss in der ausverkauften Columbiahalle auf eine Menge Fans, die das Urgestein des Desert Rock noch nie live gesehen haben. Schade nur, dass die Band mit dem anarchischen Potenzial ihrer Musik so wenig umzugehen weiß.

von
Die Wüste lebt. Kyuss in Berlin.
Die Wüste lebt. Kyuss in Berlin.Foto: Owsnitzki

Ist das die nächste Generation oder sehen wir immer noch so jung aus wie damals oder sahen wir damals schon so alt aus wie jetzt? Sechzehn Jahre nach ihrer Auflösung treffen Kyuss in der ausverkauften Columbiahalle auf eine Menge Fans, die das Urgestein des Desert Rock noch nie live gesehen haben können. Der Rezensent gehört ja auch dazu.

Erstes Bier. Kyuss schufen während der ersten Hälfte der Neunziger ein solitäres Werk, das allen bisher dagewesenen schweren Bluesrock in den Schatten stellte. Kyuss' Stoner Rock war zähflüssige Lava und Geröll, gespeist aus der glühenden Energie der Röhrenverstärker, die Josh Homme mit aufs tiefe C gestimmten Gitarren zum Singen brachte. Ihre Psychedelik schuf das Zeitmaß ab und noch im größten Lärm war die Stille immer mitgedacht. So glänzten Kyuss dann auch durch die seltene Leistung rechtzeitigen Verstummens, 1995, als der Alternative Rock verglühte.

Es ist eine Geschichte von Fortschritt vs. Treue: Josh Homme holte Gründungsmitglied Nick Olivieri und übersetzte mit den Queens Of The Stone Age den wüsten Klang in modisch anschlussfähige Positionen. Da musste irgendwann auch Chaot Olivieri, der gerne nur mit Instrument bekleidet auftrat, wieder auf der Strecke bleiben.

Wo ihn nun Sänger John Garcia auflesen konnte, der mit den zweitklassigen Hermano alterte und nun sternhagelvoll auf der Bühne der Columbiahalle steht wie einer, der sich auf einer lange verlassenen Tanzfläche zu seinem Lieblings-Kyuss-Song wiegt. An der Rückwand steht „kyuss LIVES!“, so eine unpoetische Hässlichkeit hätte es früher nicht gegeben. Aber so heißt die Band jetzt, ist wohl eine rechtliche Sache, Homme hütet sich, die Wiederauflage zu autorisieren. Olivieri macht äußerlich unbeteiligt seinen Job, sein kerniger Bass klingt geil wie je. Drummer Brant Björk scheint es nicht zu scheren, dass sein Look lange von Johnny Depp kopiert wurde und auch nicht, dass der Schlagzeugsound hinter den Möglichkeiten bleibt. Homme-Ersatz Bruno Fevery aber sollte für sein gymnasiales Spiel einmal hinter dem Tourbus über eine Wüstenstraße geschleift werden.

Zweites Bier. Gute Stimmung. Die Musik ist unkaputtbar, auch von einer Coverband. Dwdwdww dwdw dwdw dwdw dwdw ... Sowas lief damals auf MTV! Es ist eben eine Nostalgieaufführung. Jeder fährt seinen eigenen Film, das funktioniert eigentlich ganz gut. Und man kann sich von den kreisenden Haaren des Hintermanns schön den Nacken ausfegen lassen.

Drittes Bier. Bam-bam. Pause. Bam-bam. Pause. Plötzlich ist da eine Energie zwischen Bühne und Publikum, die über die Summe der Nostalgieerlebnisse hinausgeht: Tausend Hände recken sich, Jubel über Björks stumpfe Reduktion des Gegensatzes Lärm/Stille: Bam-bam. Kurz zeigt sich das anarchische Potenzial dieser Musik. Und wie schade es ist, dass die Band damit so wenig umzugehen weiß.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben