Band-Comebacks : Langeweile oder Geldnot?

Nach jahrelanger Bühnenabstinenz gehen Bands wie Genesis, The Police, Take That, Smashing Pumpkins und Freundeskreis wieder auf Tour.

The Police
Sting und Andy Summers. -Foto: dpa

BerlinEs ist das Jahr der Comebacks: Nach jahrelanger Bühnenabstinenz gehen Bands wie Genesis, The Police, Take That, Smashing Pumpkins und Freundeskreis wieder auf Tour. Und die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Haben die Musiker Langeweile oder brauchen sie Geld? Die Fans werden die Motive vermutlich kaum kümmern. Die Konzerte von Genesis, die am Freitag (15. Juni) in Hamburg den Deutschlandteil ihrer Tournee starten, sind nach Angaben des Veranstalters Peter Rieger schon seit einem halben Jahr ausverkauft. Einige Karten gibt es nur noch für den Auftritt am 3. Juli in Berlin.

Die 1966 gegründeten Genesis wollen bei den Konzerten angeblich einfach nur Spaß haben. "Wenn Geld ein Thema wäre, dann würden wir mehr als nur 20 Shows spielen. Dann würden wir auch nach Asien, Südamerika und Australien gehen. Ich denke, wir sind alle stinkreich genug", sagte Sänger Phil Collins jüngst der Zeitschrift "Melodie & Rhythmus". Genesis sind erstmals seit 15 Jahren wieder auf Tour - in der Besetzung Collins, Tony Banks und Mike Rutherford. Neben Hamburg und Berlin stehen sie in Hannover (23.), Düsseldorf (26.), Stuttgart (29.), Leipzig (4.), Frankfurt (5.) und München (10.) auf der Bühne.

Kaum noch Karten

30 Jahre nach Gründung und 21 Jahre nach ihrer Trennung wagen sich auch The Police um Frontmann Sting wieder ins Rampenlicht. Die Band startete ihre Welttournee am 28. Mai im kanadischen Vancouver und kommt ab Mitte September nach Deutschland. Die Shows in Hamburg (11.), München (22.), Mannheim (10. Oktober) und Düsseldorf (13.) sind ebenfalls so gut wie ausverkauft.

Neue Songs wollen aber weder Genesis noch The Police präsentieren. Offenbar aus gutem Grund: "Sting hat schließlich viele der alten Texte längst vergessen", sagte Drummer Stewart Copeland im "stern.de"-Interview. Auch Collins räumte ein, es sei "teilweise ganz schön schwierig", sich an die alten Lieder zu erinnern.

Es darf wieder gekreischt werden

Auch Take That bringen rund zehn Jahre nach der für die Fans schmerzhaften Trennung bald wieder viele Frauen zum Kreischen. Nach ihrem Comeback-Album "Beautiful World" geben die britischen Musiker am 29. Oktober in Köln das erste Deutschlandkonzert ihrer Reunion-Tour. Weitere Shows sind am 31. in Hamburg, am 3. November in Stuttgart, am 4. in Berlin, am 6. in Frankfurt und am 7. in Oberhausen. Auf der Bühne stehen jetzt aber nur Gary Barlow, Howard Donald, Jason Orange und Mark Owen. Über einen möglichen Gast-Auftritt von Robbie Williams wird indes regelmäßig spekuliert.

Zehn Jahre nach ihrer Gründung machen auch Freundeskreis ("Esperanto") wieder zusammen Musik. Die Hip-Hopper mit den politischen Texten treten im Juli und August bei verschiedenen Festivals auf. Auftakt ist am 8. Juli das Splash-Festival bei Chemnitz, weitere Gigs folgen. Um die Musiker um Sänger Max Herre ist es seit 2000 still. Herre konzentrierte sich neben einer Soloplatte auf die Produktion der Alben seiner Frau Joy Denalane.

Iggy lebt

The Stooges und ihr Sänger Iggy Pop geben sich bisher nur ein Mal die Ehre: Am 22. Juli wollen sie die Meute beim Festival Internacional de Benicàssim (FIB) in Spanien zum Toben bringen. The Stooges ("No Fun") hatten sich vor 34 Jahren aufgelöst und im März mit "The Weirdness" wieder eine Platte veröffentlicht.

Mit ihren Reunion-Touren stehen Genesis, The Police und Co. nicht allein da. Im März war Kim Wilde nach 13 Jahren Abstinenz wieder auf deutschen Bühnen zu erleben. Einen Monat später gaben die frisch vereinten No Angels ihr erstes Konzert nach drei Jahren. Und vor wenigen Tagen machten die Smashing Pumpkins ihre Wiedervereinigung nach sieben Jahren mit Auftritten bei den Festivals Rock am Ring und Rock im Park sowie einem Konzert in Berlin komplett.

Gerüchteküche brodelt

Heiß ersehnt wird noch eine Reunion der britischen Libertines, die sich nach der Trennung in die Bands Babyshambles um Pete Doherty und Dirty Pretty Things um Carl Barat gesplittet hatten. Mitte April standen die beiden lange zerstrittenen Musiker in London überraschend wieder zusammen auf der Bühne und spielten alte Libertines-Songs. Seitdem brodelt die Gerüchteküche, wann es mehr davon gibt.

Doch nicht jedes Comeback gelingt: Britney Spears, die sich jüngst in Orlando wieder auf die Bühne traute, scheiterte kläglich. Der Auftritt der US-Sängerin geriet zum Desaster, als die Technik versagte und offenbar wurde, dass Spears nicht live gesungen hatte. (mit ddp)

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