Barbra Streisand-Konzert : Diva mit Strahlkraft

Fast wäre die Diva zu spät zu ihrem allerersten Konzert in Deutschland gekommen. Die Stimme etwas dunkler, aber immer noch voller Strahlkraft begeisterte Barbra Streisand.

Elke Vogel[dpa]
Barbra Streisand
Barbra Streisand in der Berliner Waldbühne. -Foto: dpa

BerlinFast wäre die Diva zu spät zu ihrem allerersten Konzert in Deutschland gekommen. "Berlin ist eine Stadt voller Kultur, Schönheit und Desserts!", schwärmte US-Sängerin Barbra Streisand ihren 18.000 Fans in der Waldbühne vor. Pfannkuchen, Bouletten und natürlich die berühmte Currywurst habe sie unbedingt probieren müssen. Für den geplanten Spaziergang im Lustgarten im historischen Zentrum der Hauptstadt habe es da leider nicht mehr gereicht. Kurz nach 20 Uhr betrat die 65-Jährige dann erstmals in ihrer 47-jährigen Karriere eine deutsche Konzertbühne. Die Stimme etwas dunkler als früher, aber immer noch voller Strahlkraft begeisterte Streisand das Publikum, das so lange Jahre auf sie gewartet hatte.

In eleganter, tief ausgeschnittener schwarzer Robbe bot Streisand dann alles, was ihre sensationelle Karriere ausmacht: Balladen und Swing, Big Band und Filmmusik, Musical- und Broadway-Songs. Immer wieder erhoben sich die Zuhörer von ihren Plätzen, um der Sängerin zu applaudieren. Viele hingen förmlich an ihren Lippen, als sie Lieder aus dem Film- und Broadway-Erfolg "Funny Girl" anstimmte, für den sie 1968 einen Oscar erhielt. ""Funny Girl" wird immer ein bedeutender Teil meines Lebens sein", sagte Streisand.

Längere Umkleidepause nach 20-minütigem Auftritt

Bei "People" oder "The Way We Were" schwelgte das Publikum in großen Gefühlen, die Streisand meisterhaft hervorzulocken vermag - ohne je in Kitsch abzugleiten. "Ihr wisst ja schon bevor ich anfange, was ich singen werde", meinte Streisand berührt, als die aus ganz Deutschland angereisten Fans schon bei den ersten Takten mitgingen. Für den opulenten Sound sorgte dabei auch das 58-köpfige Orchester, das Streisand begleitete.

Wie es nur einem ganz großen Star gebührt, machte sich Streisand immer wieder rar. Bereits nach gut 20 Minuten zog sie sich zu einer längeren Umkleidepause zurück, in der ihre vier Background-Sänger das Publikum unterhielten. Dass sie nicht mehr die Allerjüngste ist, damit kokettierte die Sängerin - packte die Brille aus, bevor sie sich an den Flügel setzte und war gespielt fassungslos, als ihre Sänger erzählten, dass sie sie vor allem durch ihre Eltern und Großeltern kennen.

Streisand hat mehr Platten als die Beatles verkauft und blieb doch ein scheuer, in seinem Engagement für die US-Demokraten allerdings vehement argumentierender Star. Nach zwölfjähriger Tourneepause gab die gebürtige New Yorkerin im Herbst 2006 erstmals wieder Konzerte in den USA. Lediglich in London trat die nach eigener Aussage von Lampenfieber geplagte Sängerin in den 90er Jahren einmal auf. In Zürich startete vor zwei Wochen dann ihre erste Europatournee.

Karrierestart in den 60er Jahren

Streisands Karriere begann in den 60er Jahren in Nachtclubs und Broadway-Revuen. In ärmlichen jüdisch-orthodoxen Verhältnissen in Brooklyn aufgewachsen, riet ihre Mutter dem Mädchen mit der großen Nase angeblich von einer Bühnenkarriere ab. Doch bereits für ihr erstes Album erhielt Streisand 1963 mehrere Grammys. Das Berliner Konzert war auch in anderer Hinsicht etwas Besonderes: Streisand, die laut Gerüchten wegen des Holocausts nie in Deutschland gastieren wollte, sang nun ausgerechnet in der von den Nazis anlässlich der Olympischen Spiele 1936 erbauten Freilichtbühne.

Anders als in Italien gab es in Deutschland nur milde Kritik an den extrem hohen Kartenpreisen für die Streisand-Show, die wegen "Liebhaber-Preisen" zwischen 114 und 555 Euro nur etwas für echte Fans war. Während das ursprünglich geplante Auftaktkonzert in Rom nach Protesten wegen zu hoher Ticketpreise abgesagt und nach Zürich verlegt wurde, war die Waldbühne fast ausverkauft.

Weitere Konzerte gibt Streisand in Stockholm (4. Juli), Manchester (10. Juli), Dublin (14. Juli) und London (18./22./25. Juli).

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