Bauernpower im Lido : Jodeln mit La Brass Banda

Die Reaktion des Publikums zeigt, dass sich die Zeiten für die fünf Jungs von La Brass Banda geändert haben. Als sie das letzte Mal in Berlin spielten, gab es für den Satz „Wir sind aus Bayern“ Buhrufe, sagt Trompeter Stefan Dettl. Dieses Mal bringt er die Menge im ausverkauften Lido zum Jodeln.

Anna Pataczek

Es ist egal, ob man die von Dettl im Stakkato-Bayerisch gesungenen Texte mit ihrer Des-werd-scho’-Attitüde versteht. Der Sound aus dem Chiemgau ist gut importierbar. Im Sommer spielte die Band auf dem Roskilde-Festival, ihre Tour, auf der sie ihr zweites Album „Übersee“ vorstellen, führt sie nach London und Liverpool.

Auch die Berliner lassen sich vom breiten Bläsersound davontragen. Der wälzt sich von Dub und Ragga zum Big-Band- Sound und Balkan-Beat, klingt mal funky, mal jazzy. Die drei Bläser sind klassisch ausgebildete Musiker, ihre hundert Jahre alten Instrumente spielen sie in einer selten zu hörenden Bandbreite. Welche mächtigen, stampfenden Technobässe Andreas Hofmeir aus seiner Tuba herausholt, mit weit aufgerissenen Augen! Stoisch auf nackten Füßen stehend – die Band spielt immer barfuß –, während Frontmann Dettl, die Rampensau, auf und ab hüpft. Das sind keine albernen Provinzposen – auch wenn die fünf in Lederhosn auftreten, „weil es keine bequemere und pflegeleichtere Alternative gibt“, wie sie sagen. Anders als auf Platte drücken sie live auf den Vorspulknopf, spielen dreckiger, wuchtiger. „Bauer! Bauer!“, hier klingt es fast wie „Power! Power!“ 

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