Bayreuth : Wirbel um Festspielleitung hält an

Die Reaktionen auf die Entscheidung des Stiftungsrats zur Leitung der Bayreuther Festspiele sind geteilt. Während sich Wolfgang Wagner "sehr gefreut" haben soll, stieß das Votum vom Montag auch auf vernichtende Kritik: Katharina Wagner sei noch zu jung für die verantwortungsvolle Aufgabe.

Petr Jerabek (ddp)
Katharina Wagner Eva Wagner-Pasquier
Umstrittene Entscheidung Die künftigen Festspielleiterinnen Katharina Wagner (links) und Eva Wagner-Pasquier. -Foto: dpa

BayreuthSelbst das einstimmige Votum des Stiftungsrats lässt die Debatte über die Bayreuther Festspielleitung nicht verstummen. Nach der unterlegenen Dramaturgin Nike Wagner kritisierte am Dienstag auch der Regisseur Hans-Jürgen Syberberg die Entscheidung für Katharina Wagner und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier. Die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth verteidigte dagegen das Votum. Große Erleichterung herrscht offenbar beim langjährigen Festivalchef Wolfgang Wagner: "Der hat sich sehr gefreut", berichtete seine Tochter Katharina.

Syberberg beklagte, Katharina Wagner sei mit 30 Jahren für den neuen Posten noch zu jung: "Katharina muss noch lernen, die darf nicht die Leitung bekommen, die muss eingebaut werden als Lernende." Bereits am Montagabend hatte Nike Wagner, die sich zusammen mit dem designierten Leiter der New York City Opera, Gérard Mortier, beworben hatte, das Votum des Stiftungsrats der Festspiele als "befremdliche Prozedur" bezeichnet.

"Die bessere Lösung von zwei schlechten"

Der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, Karl Gerhard Schmidt, entgegnete, Mortier sei ein "glanzvoller Mann", habe sich aber "zu kurzfristig" als Bewerber gemeldet. Er verwies darauf, dass Mortier bei der New York City Opera unter Vertrag stehe. "Und es ist nicht deutlich geworden, wie er beide Intendanzen unter einen Hut bringen will", sagte der Vorsitzende des Mäzenatenvereins. Es seien viele Fragen offen gewesen, die man in der Kürze der Zeit nicht mehr habe erörtern können.

Der Chef des Richard-Wagner-Verbands Mecklenburg-Vorpommern, Bruno Paulenz, bezeichnete die neue Festspielleitung als "die bessere Lösung von zwei schlechten". "Unter den gegebenen Umständen war das sicherlich das Beste, was man machen konnte", sagte er. Die Bewerbung Nike Wagners sei "letztlich auch nur eine Phalanx der Eitelkeit" gewesen. Paulenz hätte am liebsten den Münchner Generalmusikdirektor Christian Thielemann als Teil der Bayreuther Festspielleitung gesehen. Er sei weiter der Überzeugung, dass der Name Wagner allein nicht als Qualifikation ausreiche, um Bayreuth zu leiten, betonte der Verbandschef.

Kein Vertrag auf Lebenszeit

Der Stiftungsrat hatte am Montag mit 22 zu null Stimmen für die beiden Halbschwestern votiert. Katharina Wagner zeigte sich am späten Montagabend über die klare Entscheidung überrascht: "Dass es so komplett einstimmig wird, damit haben wir auch nicht gerechnet." Ihr Vater sei nun beruhigt, "dass das Ganze in seinem Sinne übergeben wird".

Einen Vertrag auf Lebenszeit für die neue Leitung schloss die 30-Jährige erneut aus. Angedacht sei ein Vertrag für die Dauer von fünf bis sieben Jahren. Dies sei sinnvoll, um eine "eigene Handschrift" einbringen zu können. Mit Blick auf die wiederholten Attacken ihrer Cousine Nike sagte sie: "Mein Stil ist es nicht, die Konkurrenz öffentlich anzuprangern."

Paulenz kann die Kritik nachvollziehen, Katharina Wagner sei zu jung für die Festspielleitung. Ein anderer Regisseur in ihrem Alter hätte sicher "nie in Bayreuth inszenieren dürfen", sagte er und sprach von der "Gnade der Geburt". Doch Katharina habe mit Wagner-Pasquier eine erfahrene Frau an ihrer Seite, die bereits erfolgreich an wichtigen Opernhäusern gearbeitet habe. Und mit der Zeit werde auch Katharina Wagner erkennen, "dass sie sich intensiver mit dem Werk ihres Urgroßvaters auseinandersetzen muss und nicht nur letztlich die Wagner-Schickeria befriedigen muss mit ihren Inszenierungen".

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