Bayreuther Festspiele : Die Macht der Meistersinger

Es steht viel auf dem Spiel für Katharina Wagner, denn sie will Festspielchefin werden: Mit den "Meistersingern von Nürnberg" liefert sie das Auftaktstück der Bayreuther Festspiele. Es muss ihr Meisterwerk werden.

Christa Sigg[ddp]
Katharina Wagner
Katharina Wagners "Meistersinger" entscheidet über die künftige Festspielleitung -Foto: ddp

BayreuthDas Interesse ist riesig, der Druck gewaltig. Denn mit den "Meistersingern von Nürnberg" soll Katharina Wagner am 25. Juli ihr Meisterstück abliefern. Die Inszenierung der 29-Jährigen ist zugleich der Auftakt zu den 96. Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth. Und tatsächlich scheint für viele der Erfolg dieser Inszenierung auch mit der Zukunft des Festivals verknüpft - die jüngste Tochter von Festspielchef Wolfgang Wagner will seine Nachfolgerin werden.

Die 1868 in München uraufgeführten "Meistersinger von Nürnberg" haben in Bayreuth immer eine besondere Rolle gespielt. Aufgrund ihrer nationalen Anklänge wurde die Oper von den Nazis geradezu vereinnahmt. Insgesamt zehn Inszenierungen der "Meistersinger" kamen in Bayreuth auf die Bühne. Allein drei davon stammen von Wagner-Enkel Wolfgang, der sich mit der Letzten 2002 als Regisseur verabschiedet hat. Damit knüpft Tochter Katharina, die als erste Frau auf dem Hügel Regie führt, auch an eine Familientradition an.

Für die meisten Beteiligten der "Meistersinger" ist es der erste Einsatz in Bayreuth: Am Dirigentenpult steht Sebastian Weigle. Er ist seit 2004 Generalmusikdirektor am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und ab der Spielzeit 2008/2009 musikalischer Leiter der Frankfurter Oper. Franz Hawlata ist in der zentralen Partie des Hans Sachs zu hören, Michael Volle als Sixtus Beckmesser. Tenor Robert Dean Smith, der mit der Produktion nicht einverstanden war und ausstieg, wird durch Klaus Florian Vogt in der Rolle des Walther von Stolzing ersetzt.

Zum letzten Mal: Schlingensiefs "Parsifal"

Neben den "Meistersingern" stehen in diesem Jahr noch sechs weitere Werke auf dem Spielplan. Der "Tannhäuser" in der farbenfrohen Designer-Inszenierung von Philippe Arlaud kommt nach einem Jahr Pause wieder auf die Festspielbühne. Bedingt durch die kurzfristige Absage von Fabio Luisi übernimmt Christoph Ulrich Meier die musikalische Leitung. In der Titelrolle debütiert der Holländer Frank van Aken. Der "Ring des Nibelungen" in der zurückhaltenden Regie von Dramatiker Tankred Dorst geht ins zweite Jahr. Christian Thielemann dirigiert wieder das vierteilige Werk. Albert Dohmen steigt als neuer Wotan ein. Zum letzten Mal wird Christoph Schlingensiefs bilderreiche Produktion des "Parsifal" zu sehen sein. Am Pult steht Adam Fischer.

Nach 30 Aufführungen enden die Festspiele am 28. August mit den "Meistersingern". Nur wenige Tage später wird Wolfgang Wagner seinen 88. Geburtstag feiern. Bis dahin dürfte die Debatte um seine Nachfolge vermutlich hitziger geführt werden, als dies im Vorfeld des bedeutendsten deutschen Opernfestivals der Fall war.

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