Bright Eyes – The People’s key : Es gibt eine Zukunft

Conor Obersts Band Bright Eyes war vier Jahre lang in der Versenkung verschwunden. Nach einigen mehr oder minder gelungenen Soloversuchen kehrt das einstige Wunderkind des Songwritertums in gewohnter Stärke zurück.   

Martin Väterlein
Mit klarem Blick der Zukunft zugewandt
Mit klarem Blick der Zukunft zugewandtFoto: Universal

Vor einigen Jahren kündigte Conor Oberst noch an, dass das nächste Bright Eyes Album das letzte sein werde. Dieses Album liegt nun vor und man kann sich nicht vorstellen, dass das Ende sein soll. Zu sehr ist von Aufbruch die Rede. Zu energisch drängt die Musik.
„The People’s Key“ ist kein Abgesang. Es bündelt vielmehr all das, was Bright Eyes von ihren Anfängen bis hin zu den elektronischen Ausflügen auf „Digital Ash in a Digital Urn“ (2005) ausgemacht hat. Country-Seligkeit und Lagerfeuerromantik treten in den Hintergrund. Auch wenn die akustischen Gitarren dominieren, diese Platte ist unter Rock einzuordnen. Oberst scheint an einem Punkt angelangt zu sein, ab dem es nicht mehr notwendig ist, sich hinter Genres und vernuschelten Botschaften zu verstecken. Mit dreißig Jahren hat er endgültig seinen Stil vervollkommnet und der hat mit Singer/Songwriter Klischees nicht mehr viel zu tun.

Natürlich erkennt man weiterhin die typische Melodieführung und auch Obersts Stimme verheißt immer noch Wahrheit oder kündet zumindest von der Suche danach. Und um Wahrheiten dreht sich tatsächlich vieles auf „The People’s Key“. Fast jeder Song ist durchzogen von religiösen oder esoterischen Motiven. Reggae-Mythologie wird ebenso bemüht wie UFO- und Feldtheorien. Wer nach all dem eine Erweckungsgeschichte erwartet, wird enttäuscht. Noch bleibt Oberst auf der Seite der Skeptiker: „Let Jesus hang and Buddha sit“. Man mag sich an „Infidels“ von Bob Dylan erinnert fühlen.
Die Beschäftigung mit dem Religiösen funktioniert als Metapher für das Verlangen nach Größe und Endgültigem in einer Welt, die sich klein und vorläufig anfühlt. Das Göttliche ist dabei nur die Projektion dessen, was Oberst an sich und anderen vermisst. Nietzsche lässt grüßen.
Wohin die Reise geht, verraten die Lieder nicht. Das wäre auch unnötig. Es gibt eine Zukunft. Das ist wichtig.

Ebenfalls neu auf Vinyl:

Als Mitglied der Super Furry Animals sammelte Gruff Rhys unzählige Shampoo-Flaschen und anderen Kram aus Hotelzimmern auf der ganzen Welt. Einen Teil dieser bunten Sammlung ist auf dem Cover seiner neuen Platte Hotel Shampoo zu sehen.
Genauso bunt wie das Cover ist auch der Inhalt. Das meiste basiert auf Erinnerungen an die psychedelischen 60er Jahre. Hier und da blitzt etwas Soul oder Jazz auf. Das ist dank der intelligenten Texte und der Songs überaus unterhaltsam. Eine entspannte, eine schöne Platte.

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