Comeback : Mutter stellt neues Album vor

Die Band Mutter stellt ihr neues Album vor l vielleicht klappt es ja diesmal mit dem Erfolg. Denn der blieb bisher aus.

Michael Schulz
Drahtig. Sänger Max Müller. Foto: Thilo Rückeis
Drahtig. Sänger Max Müller. Foto: Thilo Rückeis

Comebacks gehen manchmal daneben – der in die Breite gegangene Rennfahrer Nigel Mansell passte nicht mehr in seinen Formel-1-Boliden, der in die Jahre gekommene Muhammad Ali bekam im Boxring die Visage poliert. Eine geglückte Wiederkehr hingegen konnten die Besucher des Festsaals Kreuzberg am Mittwochabend erleben. Die Berliner Band Mutter stellt ihr neues Album vor. Das Konzert kann zwar nicht als großer Bühnen-Sport bezeichnet werden. Aber die eingängigen neuen Lieder überzeugen trotz eines Auftritts, der wie heruntergespult wirkt. Allerdings hat die Band in den vergangenen Jahren nicht häufig live gespielt. Sänger Max Müller entschuldigt sich einmal sogar: „Das klang jetzt wie die Vorband.“

Das Album „Trinken Singen Schießen“ ist die erste Veröffentlichung seit 2004. Darauf brechen Müller sowie Florian Koerner von Gustorf (Schlagzeug), Tom Scheutzlich (Keyboard), Heri Coltello (Gitarre) und Michael Fröhlich (Bass) endgültig mit dem Noise-Rock, für den sie in den achtziger und neunziger Jahren standen. Melodisch und klar strukturiert sind die zwölf Songs, einige mit Ohrwurm-Qualität. Vielleicht klappt es ja diesmal mit dem Erfolg. Denn dieser blieb bei der Band bisher aus – obwohl sie seit 1986 dabei ist und von Kritikern immer wieder in die Nähe von Blumfeld, Tocotronic und anderen Vertretern der Hamburger Schule gerückt wird. Ihr erfolgreichstes Album soll sich ganze 2000 Mal verkauft haben.

Dass die alten rauen Zeiten doch noch nicht ganz vorbei sind, beweist das Quartett vor mehreren hundert Besuchern. Die Stücke klingen wuchtiger und ungeschliffener als auf der Platte, dafür sorgen schon Heri Coltellos Gitarren-Rückkopplungen. Der Großteil des Konzerts gehört den aktuellen Stücken, aber auch Älteres wie „Reifen rollen“ vom Album „Europa gegen Amerika“ (2001) ist zu hören. Gegen Ende lassen Mutter ihre Songs ausufern und im Feedback-Krach untergehen.

Das Publikum – bunt gemischt vom 25-Jährigen mit Popper-Frisur bis zum verzottelten Mittfünfziger – hat seinen Spaß. Unter den Gästen ist auch Jochen Distelmeyer von Blumfeld, der einst gelegentlich bei Mutter mitspielte. Mutter sind also zurück – wer weiß wie lange. Zumindest eine Handvoll Konzerte soll es dieses Jahr noch geben.Michael Schulz

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