Crystal Fighters - Star of Love : Von Basken und anderen Engländern

Kaum ist das Jahr ein paar Wochen alt, steht der nächste Hype schon ins Haus. Mit einer Melange aus Folk-Pop, Discopunk und Tribalbeats versuchen die Crystal Fighters die Welt von ihrer baskischen Herkunft zu überzeugen.

Martin Väterlein
Verhüllte Gestalten – verhüllte Bandgeschichte.
Verhüllte Gestalten – verhüllte Bandgeschichte.Foto: Rough Trade

Schon einmal von Txalaparta gehört? Macht nichts. Die Crystal Fighters machen uns damit bekannt. Es handelt sich um ein Perkussionsinstrument, das seine Wurzeln im Baskenland hat. Zwei Musiker schlagen dabei abwechselnd mit Holzstäben auf grobe Klanghölzer ein. Auf Star of Love sorgt dieses Instrument für einen feinen polyrhythmischen Kontrast zu Computerbeats und Wummerbass.

Überhaupt soll diese Platte ja tatsächlich so klingen, als stamme die Band aus dem Süd-Westen Europas. Neben dem Txalaparta erklingt noch eine Flöte namens Txistu. Die Sänger bemühen sich hier und da um einen Latino-Akzent. Sogar ein erfundener Gründungsmythos wird bemüht. Ein baskischer Vorfahr eines der Bandmitglieder soll eine Oper mit dem sinngemäßen Titel „The Crystal Fighters“ verfasst haben. Tatsache aber ist, dass die Musiker waschechte Briten und in London beheimatet sind.

Diese ganze Augenwischerei kann eigentlich nur dazu dienen, mediales Interesse zu wecken und das weltmusikalisch unterfütterte Konzept zu transportieren. Nötig wäre das nicht. Star of Love reiht sich auch so glänzend in einen Trend ein, der schon seit Jahren durch die Musikszene wabert und das Ausdrucksspektrum moderner Tanzmusik wohltuend erweitert. Manu Chao, Vampire Weekend und M.I.A. haben es auf ihre jeweils spezifische Weise vorgemacht. Die Crystal Fighters sammeln nun all diese Ansätze ein und vereinen groovendes Geklampfe, funkigen Postpunk und Elektronica zu einem schillernden Ganzen. Bei I do this everyday kann man sich sogar an Sepulturas Roots erinnert fühlen.


Langweilig wird das schon allein deshalb nicht, weil der Spannungsbogen der Stücke von schönen und relativ ruhigen Popsongs bis zu harten Diskobrettern reicht. Dabei ist sicher nicht alles gelungen und doch bleibt der Hörer am Ball. Man will schließlich erfahren, was als Nächstes um die Ecke kommt.
Was für die Crystal Fighters auf jeden Fall kommen wird, ist der Einsatz ihrer mitreißenden Musik in unzähligen Discos rund um diesen Planeten. Und darauf dürfen sich Tänzer und Zuhörer gleichermaßen freuen.

 

Ebenfalls neu auf Vinyl:

Die Popularität von Amos Lee rührt vor allem aus seiner Nähe zu großen Namen her. Er tourte mit Norah Jones, Bob Dylan, Elvis Costello und anderen. Seine Songs tauchten in Serien wie Grey’s Anatomy und Dr. House auf. Mit „Mission Bell“ legt er nun sein mittlerweile viertes Album vor und auch hier wieder bekannte Namen. Auf zwei Stücken singen Willie Nelson und Lucinda Williams mit, produziert wurde die LP von den Machern von Calexico. Nach deren leicht verdaulichem Americana-Ansatz klingt Mission Bell dann auch. Dazu gibt es Songs, deren textliche Einfalt streckenweise erschreckt. Wenig aufregend, aber nett.

 

In ihrer Heimat Neuseeland sind The Phoenix Foundation schon seit Jahren groß. Nun wollen sie auf dem Rücken ihres „Buffalo“ Europa erobern. Träumerische Balladen zur Akustikgitarre wechseln sich mit einnehmenden aber harmlosen Indiesongs ab. Angesichts dieses wenig originellen Angebots und von Liedern, die an die schwächeren Stunden der Go-Betweens erinnern, wird der Ritt der Phoenix Foundation durch Europa wohl ohne größere Konsequenzen bleiben.  

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