Deutsches Symphonie-Orchester : Keine Angst vor neuen Tönen

Der Chef des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, Ingo Metzmacher, feiert einen runden Geburtstag. Im Konzert mag es der bald 50-jährige Dirigent auch mal lockerer.

Angelika Rausch[ddp]
Ingo Metzmacher
Dirigent und Chef des Deutschen Symphonie-Orchesters: Ingo Metzmacher. -Foto: ddp

BerlinDie Klassikkonzerte von ihrem etwas steifen Ambiente befreien, davon träumt Ingo Metzmacher schon lange. Und so kündigte der neue Chef des Deutschen Symphonie-Orchesters in der Hauptstadt im Frühjahr für seine Berliner Zeit eine neue Konzertreihe an, die "Casual Concerts". "Es wird insgesamt etwas lockerer zugehen", sagte er. "Wir werden das sehr ernste Ritual des Konzertes mal beiseite lassen." Musiker, Dirigent und Publikum in Freizeitkleidung - für Metzmacher notwendig, um auch Menschen zu erreichen, denen es bei Klassikkonzerten sonst zu formell und zu steif zugeht.

Längst gilt Metzmacher als Star unter den jüngeren Dirigenten mit einer internationalen Karriere. Am Samstag (10. November) feiert er seinen 50. Geburtstag. Derzeit ist er zwischen den Spielorten Berlin, Amsterdam und Zürich ständig unterwegs. Geboren wurde Metzmacher in Hannover. Sein Vater, von dem er in seinem Buch "Keine Angst vor neuen Tönen" liebevoll berichtete, "er konnte rückwärts auf dem Lenker sitzend Fahrrad fahren", war ein viel beschäftigter Cellist. Der Sohn studierte schließlich in Hannover, Salzburg und Köln die Fächer Klavier, Tonsatz und Dirigieren. Seit der Gründung des Frankurter Ensemble Modern 1980 war Metzmacher hier zunächst als Pianist, ab 1985 als ständiger Dirigent engagiert.

Große Liebe zu neuer Musik

Aus dieser Zeit kommt auch seine große Liebe zur Neuen Musik, pflegte er doch damals schon persönliche Kontakte zu Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Luigi Nono, John Cage, Hans Werner Henze und Wolfgang Rihm. Über mehrere Stationen als freischaffender Dirigent wie Brüssel, Stuttgart, Dresden, Hamburg, Los Angeles und Frankfurt am Main kam er schließlich an die Hamburgische Staatsoper. Der Kultursenat wollte den jungen Mann als Generalmusikdirektor, doch das Philharmonische Staatsorchester sprach sich einstimmig gegen ihn aus. Metzmacher sei im Opernfach zu unerfahren, hieß es damals.

Zu Spielzeitbeginn 1997/1998 übernahm Metzmacher trotzdem die Stelle des Generalmusikdirektors der Hamburgischen Staatsoper. Schnell etablierte er sich an dem rund 300 Jahre alten Haus als Dirigent, der auch der Neuen Musik breiten Raum gab. Mit Werken von Karl Amadeus Hartmann, Hans Werner Henze oder Paul Dukas erwarb er sich den Ruf eines Musik-Avantgardisten. Die Konzerte des Philharmonischen Staatsorchesters ordnete er nach thematischen Schwerpunkten und sorgte 2000 für die Wiedereinführung des Hamburger Musikfestes rund um die Musik des 20. Jahrhunderts unter dem Titel "Who's afraid of 20th century music?".

Metzmacher sorgte für Aufsehen in Hamburg

Für große Aufmerksamkeit und eine Auszeichnung als "Opernhaus des Jahres" sorgte schließlich seine Hamburger Zusammenarbeit mit dem Opernregisseur Peter Konwitschny. Elf gemeinsame Produktionen brachte das kongeniale Duo auf die Bühne, darunter so legendäre Aufführungen wie Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" und "Lohengrin", Alban Bergs "Lulu", Bertolt Brechts "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" und Wolfgang Amadeus Mozarts "La Clemenza di Tito".

Im Frühjahr 2003 sorgte Metzmacher für Aufsehen in Hamburg, als ihm die Politik verlässliche Zusagen für die zukünftigen finanziellen Rahmenbedingungen des Opernhauses verweigerte: Er schloss eine erneute Verlängerung seines Vertrages aus und kündigte seinen Wechsel als Chefdirigent der Nederlandse Opera nach Amsterdam an. Bis zu seinem Abschied 2005 zeigte das Haus in Hamburg noch einmal die markantesten Produktionen seiner Ära als künstlerischer Leiter. Neben seiner Tätigkeit in Hamburg aber setzte Metzmacher auch seine Zusammenarbeit mit anderen traditionsreichen Orchestern fort. So dirigierte er unter anderem die Berliner Philharmoniker, das London Philharmonic Orchestra, das Toronto Symphony Orchestra und das Philadelphia Orchestra.

Metzmacher debütierte in Wien

Bei den Wiener Philharmonikern debütierte Metzmacher 2003. Seit Beginn der Spielzeit 2007/2008 ist der umtriebige Dirigent nun Chef des Deutschen Symphonie-Orchesters. Seinen Vertrag als Orchesterchef in Amsterdam will er über diese Spielzeit hinaus nicht verlängern, um sich ganz auf Berlin konzentrieren zu können. Doch mit hoch gelobten Dirigaten am Opernhaus Zürich, einem der renommiertesten Häuser in Europa, brachte er jüngst Spekulationen in Gang, er könne dort neuer Generalmusikdirektor werden. (mit ddp)

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