DSDS : Ein paar Minuten Ruhm - Das Erfolgsrezept der Casting Show

Heute startet die fünfte Staffel von "Deutschland sucht den Superstar". Und wir würden alle gern so tun, als interessiert uns das gar das nicht. Aber ist aus der Sendung wirklich die Luft raus, oder kommt der Zuschauer auch dieses Mal nicht an dem TV-Ereignis vorbei? Eine kritische Bestandsaufnahme.

Christian Pommerening
DSDS Jury
Die DSDS-Jury wird es wieder schwer haben, echte Talente heraus zu picken. -Foto: RTL

"Deutschland sucht den Superstar", die Mutter aller Casting-Formate im deutschen Fernsehen, ist immer noch eine der Sendungen mit den höchsten Einschaltquoten bei RTL. Offenbar Grund genug für den Kölner Privatsender, eine fünfte Staffel zu produzieren. Doch gibt es darüber hinaus noch eine weitere Existenzberechtigung für "DSDS", wie die Show auch liebevoll genannt wird? Das Konzept scheint jedenfalls noch nicht ausgereizt. Knapp sechs Millionen Menschen sahen das Finale der vierten DSDS-Staffel, die am 5. Mai 2007 endete und Mark Medlock als Gewinner hervorbrachte. Zwar hat sich der Zuschauerdurchschnitt mittlerweile im Vergleich zur ersten Sendung mehr als halbiert, bei einem Marktanteil von über 30 Prozent in der relevanten Zielgruppe kann sich RTL dennoch zufrieden zeigen. Die Konkurrenz-Show "Popstars" auf ProSieben erreichte selbst in besten Zeiten weniger Publikum. Der Erfolg der neuen DSDS-Runde, die heute um 20.15 Uhr startet, ist relativ gewiss. Medienkritiker, Musiker und kritische Zuschauer haben längst durchschaut, dass es bei Castings-Shows noch nie darum ging, Talente ernsthaft und kontinuierlich aufzubauen. Dennoch ist die anhaltende Popularität leicht erklärbar und setzt sich im Wesentlichen aus drei Punkten zusammen.

Erfolgsrezept Nummer 1: Ein Star für 15 Minuten

Andy Warhol hat es geahnt - lange vor uns allen. Mit seinem weltberühmten Satz "In the future, everyone will be famous for 15 minutes" sah die Pop Art-Ikone schon 1968 die Medienentwicklung des neuen Jahrtausends voraus. Heute sind Casting-Shows längst etablierte Realität. Sogenannte "Superstars" werden am Fließband produziert und verschwinden schneller wieder, als man sich ihre Namen merken konnte. Dennoch scheint der Wunsch junger Menschen, ohne viel Talent wenigstens eine kurzzeitige Berühmtheit zu erlangen, ungebrochen. Wer sich um die Folgen nach dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit kümmert, bleibt meist offen. 28.290 Teilnehmer haben sich für die fünfte DSDS-Staffel beworben - jeder in der Hoffnung auf eine Karriere. Die meisten davon dürften sich deutlich unter den Warhol'schen 15 Minuten abspielen.

Erfolgsrezept Nummer 2: Polarisation und Voyerismus

Polarisierende Charaktere erhöhen die Einschaltqouten. Und kaum ein Mensch in Deutschland polarisiert so sehr wie Dieter Bohlen. Er ist das Gesicht der Sendung, sie lebt vor allem von seinen Sprüchen. Das mag zum Teil tatsächlich in der Natur Bohlens liegen, ist aber ebenso Konzept. Und dieses Konzept gilt nicht nur für die Jury. Gerade in den Vorrunden trifft der Zuschauer auf Dutzende von komplett talentfreien Teilnehmern, die es unter realen Bedingungen nie in ein Casting geschafft hätten. Weil sie allerdings sonderbar, schrill oder einfach nur peinlich sind, erhöhen sie nicht nur den Unterhaltungswert sondern auch das öffentliche Interesse an der Sendung. Und auch wenn nicht jedermann schadenfroh über solche mutigen Kandidaten lacht: hingeschaut, mit dem Kopf geschüttelt und darüber diskutiert wird doch. Hat es dann doch mal ein begabter Kandidat bis in eine der Endrunden geschafft, wird dessen Privatleben so gut es geht in den dafür bekannten Medien ausgeschlachtet. Irgendein Skandal findet sich immer. Die Spannung muss schließlich erhalten bleiben.

Erfolgsrezept Nummer 3: Zuschauerbeteiligung

Der Durchschnittsmensch kann weder die Politik noch die Gesellschaft ändern, denn für seine Meinung interessiert sich in der Regel niemand. Er kann aber wohl den Verlauf von DSDS beeinflussen - durch ein gebührenpflichtiges Telefon-Voting. Ein Volksentscheid über eine meist sehr kurze Karriere, bei dem beide Seiten etwas verdienen. Der Anrufer wird mit dem Glauben belohnt, seine Stimme hätte etwas verändert. Er verliert dabei zwar bares Geld, aber das fließt direkt in die Taschen von RTL und der involvierten Telekommunikationsgesellschaften.

Nüchterne Fakten

Bereits vor dem Finale der vierten Staffel kündigte RTL eine weitere Fortsetzung von "Deutschland sucht den Superstar" an. Doch was erwartet den Zuschauer in der neuen Staffel, was er bisher noch nicht kannte? Wie jedesmal gibt es auch diesmal einige Veränderungen: Marco Schreyl wird die Show fortan alleine moderieren. Seine Co-Moderatorin Tooske Ragas ist nicht mehr dabei. Gründe dafür sind nicht bekannt. In der DSDS-Jury sitzt zudem ab sofort neben Dieter Bohlen und Künstler-Managerin Anja Lukaseder das neue Jurymitglied Andreas "Bär" Läsker, der Manager und Entdecker von "Die Fantastischen Vier" und Gründer des Labels "Four Music". Ex-Jury-Mitglied Heinz Henn war aufgrund von Differenzen mit Dieter Bohle nach der vierten Staffel ausgeschieden. Auch beim Konzept gibt es eine wesentliche Änderung: Die "Top 20 Shows", in denen bislang die Zuschauer alleine die zehn besten Kandidaten bestimmt haben, werden komplett ersetzt durch eine einzige Live-Show mit dem Titel "Jetzt oder nie". Dort bestimmen Publikum und Jury je fünf Kandidaten, die sich danach wie gehabt in den Mottoshows behaupten dürfen. Die finale Entscheidung fällt wie gehabt ebenso über das Telefonvoting.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben