Element of Crime – Fremde Federn : Herz auf Scherz

Element of Crime füllen zuverlässig die Herzen ihrer treuen Hörerschaft mit dem süßen Gift unstillbarer Sehnsucht.  Dass sie dabei nicht immer auf eigene Stücke zurückgreifen müssen, beweisen die Band nun mit Fremde Federn .

Martin Väterlein
Ernste Herren zwischen Gestern und Heute
Ernste Herren zwischen Gestern und HeuteFoto: Universal

Es ist eine eigenwillige Rückschau, die uns Element of Crime zum Jahresende 2010 vorlegen. Wer hätte schon mit einer Liedauswahl gerechnet, die von „Leise rieselt der Schnee“ bis zu den Pet Shop Boys reicht?
In ihrer 20 Jahren währenden Geschichte nahm die Band eher zufällig hier und da eine Coverversion auf. Mal für eine Singlerückseite, mal für eine Compilation oder als Bonustrack. Vieles von dem wäre inzwischen vergessen, hätten die Herren nicht den Drang verspürt, all das Liegengebliebene zu bündeln und der Welt nun auf einem Doppelalbum zu präsentieren. Und tatsächlich kann man sich an der ein oder anderen Stelle fragen, ob dieses Vergessen ein allzu großer Schaden gewesen wäre. Freddy Quinns „Heimweh“ ist zwar ein schöner Song, erinnert aber eben auch an unangenehme Landserromantik, Dylans „It’s all over now, Baby Blue“ hat man so oder so ähnlich schon häufiger gehört. Es gibt noch zwei, drei andere Lieder, die nicht so recht zünden wollen.
Trotzdem ist Fremde Federn reich genug an brillanten Versionen eigenartiger Songs, voller hintergründiger Ironie und bespickt mit manch' gelungenem musikalischem Scherz, dass man die paar Hänger gern überhört. Zappas Frage „Does humor belong in music?“ muss man in diesem Fall definitiv mit „Ja“ beantworten.


Besonders stark sind Element of Crime aber natürlich immer dann, wenn sie auf die Herzkarte setzen. Soll heißen, wenn sie fast in Nostalgie und Melancholie zu versinken drohen. Udo Lindenbergs „Leider nur ein Vakuum“ oder „You only tell me that you love me ...“ von den Pet Shop Boys sind umwerfend gut gelungen und passen wunderbar zur Stimme von Sven Regener und den gewohnt verschlurften Arrangements seiner Band. Diese Herren haben ihre musikalische Formel gefunden und die lässt sich auch zuverlässig auf Stücke aus fremden Federn anwenden.

 
Ebenfalls neu auf Vinyl:
Es muss ja immer neue Genrelabels geben. Und so bestimmte diesen Sommer das Stichwort Chillwave den Sprachschatz vieler musikalischer Trendforscher. Was Chillwave sein soll, dokumentiert nun Psychic Chasms von Alan Palomo alias Neon Indian. Wie der Titel schon verrät, handelt es sich um Musik mit stark psychedelischen Anklängen. Diese werden mit Lo-Fi Beats und Soundspielereien aus dem Synthie gemixt. Diese Mischung ist im Ergebnis gut hörbarer Freak-Pop, dem manchmal etwas die Orientierung und eine wirklich eingängige Hookline fehlt.

Das, was man früher als Lounge Musik bezeichnet hätte, versammelt das in Brighton beheimatete TruThoughts Label auf dem Doppelalbum Shapes 10:02. Zwischen Reggae, Acidjazz, Bossa, Soul und Electronica sind die vertretenen, hierzulande meist unbekannten Bands angesiedelt. Gepflegt kommt das alles daher, aber auch ein wenig aus der Zeit gefallen.
Die LPs werden löblicherweise zusammen mit beigepackten CDs verkauft.

Wem der Sinn eher nach härteren Klängen steht, der ist in dieser Woche gut mit We are all dead vom US-amerikanischen Duo ADAI bedient. Düster und energisch wandelt die Band durch zehn meist instrumentale Mid-Tempo Stücke, die in ihrer Summe eine ungeheuere Sogwirkung erzeugen.



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