Gegen Rauchverbote : Joe Jackson: "Es geht mir um die Freiheit“

Popstar Joe Jackson, Wahlberliner und Zigarettengenießer, engagiert sich für das Berliner Volksbegehren gegen Rauchverbote. Die Gefahr des Rauchens scheint ihm nicht erwiesen, und in dessen Verbot sieht er vor allem das Bestreben, den Alltag der Menschen zu reglementieren

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Kein Kettenraucher. Joe Jackson ist ein "moderater Genießer", sagt er.Foto: Promo

Joe Jackson wurde in den achtziger Jahren berühmt mit Popsongs wie „Steppin’ Out“ und „Is She Really Going Out With Him?“. Der 54-jährige Brite lebt seit etwa zwei Jahren in Berlin und unterstützt die Initiative für Genuss, die ein Volksbegehren für Wahlfreiheit und gegen die Rauchverbote in Berliner Gaststätten gestartet hat. In Berlin hat er auch 2008 sein aktuelles Album „Rain“ aufgenommen. Derzeit arbeitet Jackson unter anderem an einem Musicalprojekt in New York, bei dem es um die Entstehungsgeschichte von „Dracula“ geht.

Herr Jackson, es ist jetzt kurz nach Mittag. Wie viele Zigaretten haben Sie heute schon geraucht?

Noch keine einzige. Ich bin ja kein Kettenraucher, eher ein moderater Genießer. Ich werde meine erste Zigarette oder vielleicht auch eine Zigarre erst heute Abend rauchen.

Wieso machen Sie sich dann überhaupt für das Volksbegehren stark, das sich kategorisch gegen Beschränkungen für Raucher wendet?

Es geht mir nicht um das Rauchen an sich, sondern um die Freiheit. Auch wenn ich kein Raucher wäre, würde ich das Volksbegehren der „Initiative für Genuss“ gegen das Rauchverbot unterstützen. Berlin ist eine außergewöhnlich freie Stadt, das hat mich angezogen, als ich vor ein paar Jahr hierher gezogen bin. Und das macht das Leben hier bis heute aus. Wieso will man das ändern? Schauen Sie: Ich bin gegen Hunde allergisch. Aber wenn jemand Hunde in Kneipen per Gesetz verbieten wollte, wäre ich auch dagegen!

Wo in Berlin rauchen Sie am liebsten?


Ich werde Ihnen nicht die Namen meiner Lieblingskneipen verraten. Generell liebe ich zwei Sorten von Läden, von denen man in Berlin viele findet: Bars mit Klasse, in denen man perfekte Cocktails zuzubereiten weiß. Und dann die Kneipen am anderen Ende der Skala, echte Absteigen, heruntergekommen, aber mit Stil.

Was würde es bedeuten, wenn Sie nun in manchen dieser Bars nicht mehr rauchen dürften?


Es wäre eine Katastrophe. Ich könnte nicht mehr wie bisher ausgehen. Es würden meine ganze Lebensart ändern und die vieler anderer Berliner auch. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will mich ja nicht auf jeden Fall kaputtrauchen, ich will nur die Wahlfreiheit haben. Es geht mir darum, dass Rauchverbote das Symptom einer größeren Entwicklung sind, wie wir sie auch aus den USA kennen: Der Lebensstil der Menschen wird mehr und mehr durch den Staat und die Behörden kontrolliert. In New York zum Beispiel, wo ich sehr oft bin, gibt es nicht nur das Rauchverbot, dort ist das alltägliche Leben generell viel reglementierter – schrecklich! Und das droht auch in Deutschland: Wenn man jetzt so ein Verbot zulässt, werden andere Beschränkungen folgen.

Nach dem jetzt geplanten Nichtraucherschutzgesetz sollen ja kleine Kneipen vom Rauchverbot ausgenommen bleiben…

…aber das jetzige Gesetz ist doch nur der erste Schritt. Glauben Sie mir: Danach wird irgendwann der Versuch kommen, ein totales Verbot einzuführen. Und das, obwohl eine Bar doch kein öffentlicher Raum ist, sondern ein privater! Ich will ja nicht, dass man in Bahnhöfen und Postämtern rauchen darf, aber Kneipen sind etwas anderes.

Sie haben mal einen Song geschrieben, der den Kampf der New Yorker Raucher gegen die dortigen Beschränkungen unterstützt. Werden Sie auch für Berlins Rauch-Anhänger einen Song schreiben?


Mal sehen. Ich werde sicher hin und wieder öffentlich Stellung beziehen. Denn in Deutschland unterschätzen immer noch viele Menschen, wie mächtig die Anti-Raucher-Lobby ist. Diese Leute bekommen enorm viel Geld von der pharmazeutischen Industrie. Und sie sind, mit Verlaub, einfach Arschlöcher, weil sie uns Vorschriften machen wollen, die auf sehr unsicheren Erkenntnissen basieren.

Aber Sie können doch nicht ernsthaft abstreiten, dass das Rauchen zumindest nicht gesundheitsförderlich ist.

Ja, aber was sind die Beweise? Ich habe mich jahrelang damit beschäftigt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass die meisten angeblichen Beweise sich auf Statistiken beziehen, denen ich zutiefst misstraue. Klar ist: Rauchen kann gefährlich sein. Aber Essen oder Trinken oder Autofahren können auch gefährlich sein. Will das einer kategorisch verbieten? Es gibt potenzielle Risiken in so vielen Lebensbereichen, wieso will man da gerade einen verbieten?

Sie haben diese Angst vor den vielfältigen Gefahren des Lebens mal in einem Song mit dem passenden Titel „Cancer“, Krebs, ironisiert. Kann man die realen Gefahren damit so leichtfertig abtun?

Nein, aber man darf nicht in eine Paranoia verfallen, wie es mit dem Rauchen der Fall ist. Fakt ist, dass wir Krebserkrankungen nicht auf eine einzige Ursache zurückführen können. Es gibt statistische Häufigkeiten, nach denen Krebspatienten mit größerer Wahrscheinlichkeit Raucher waren. Aber trotzdem hat man doch als Raucher immer noch eine viel größere Chance, nicht Krebs zu bekommen.

Dennoch: Sie können doch nicht abstreiten, dass Rauchen gefährlich ist.

Das halte ich für nicht bewiesen. Wieso haben denn Menschen seit Tausenden von Jahren geraucht, wenn es wirklich so schlimm ist?
Und was ist mit denjenigen, die zum Passivrauchen gezwungen werden? Haben Sie kein Verständnis dafür, dass Leute in Berlin ausgehen möchten, ohne hinterher wie ein Aschenbecher zu stinken und die Lunge voller giftiger Stoffe zu haben?


Das ist das einzige Argument, das ich mit den Anhängern des Rauchverbotes teile: Viele Kneipen und Bars in Berlin sind zu rauchig. Aber auch dafür braucht man doch kein Verbot. Deren Ventilationssysteme sind meistens einfach schlecht. Wenn man das ändert, können die Gäste dort auch bessere Luft atmen. Außerdem soll es ja auch rauchfreie Orte geben. Ich bin nicht dafür, dass überall so viel wie möglich geraucht wird. Ich will schlicht und einfach Wahlfreiheit.

Das Interview führte Lars von Törne.

Joe Jacksons Essay über Rauchverbote „Rauch, Lügen und der Staat als Super-Nanny“ gibt es in Übersetzung unter www.netzwerk-rauchen.de. Das Original findet man auf Jacksons Website unter www.joejackson.com. Weitere Infos unter www.genussinitiative-berlin.de.

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