Gesangswettbewerb : 27-jährige Lettin ist "Neue Stimme" der Oper

Die Sopranistin Marina Rebeka hat den internationalen Gesangswettbewerb "Neue Stimmen" 2007 gewonnen. Sie setzte sich gegen über 1000 andere Nachwuchssänger aus 66 Ländern durch und kann nun auf eine steile Opern-Karriere hoffen.

Thomas Strünkelnberg[dpa]

GüterslohDie lettische Sopranistin Rebeka habe "mit Schwung und Verve gesungen, die das Publikum und auch die Jury mitgerissen haben", lobte Musikkritiker und Jurymitglied Jürgen Kesting. Lohn war der mit 15.000 Euro dotierte erste Preis. 1100 Nachwuchssänger aus 66 Ländern hatten sich beworben, 46 Sänger gelangten in die Endrunde. Der Wettbewerb der Bertelsmann-Stiftung, mit dem Weltkarrieren wie die von Vesselina Kasarova und René Pape begannen, gilt als eine der wichtigsten Nachwuchsbörsen der Oper.

"Die Erfahrung hat den Ausschlag gegeben", urteilte der Vorsitzende der Jury, Startenor Francisco Araiza. Rebeka habe schon Bühnenerfahrung, anders als der 21 Jahre alte argentinische Bass Fernando Javier Radó, der den zweiten Preis (10.000 Euro) gewann. Dritter wurde der mexikanische Tenor Diego Torre (8000 Euro). Dies war für Teile des Publikums nicht nachvollziehbar, vereinzelte Buhrufe wurden laut. Kesting verteidigte die Entscheidung der Jury - der 28-Jährige habe eine Stimme auch für die schwereren Verdi- Partien. "Dieses Material ist sehr rar", erklärte er.

Gigantisches Bass-Talent

Marina Rebeka sang die Rolle der Violetta aus Verdis "La Traviata" mit solchem Feuer, dass die Zerrissenheit der Figur zwischen Liebe und dem Wunsch nach Freiheit fast schmerzlich spürbar war. Er sehe die junge Lettin vor allem im slawischen und im Verdi-Repertoire - allerdings mit den lyrischen Rollen, sagte Kesting. "Der Bass ist ein gigantisches Talent", urteilte er über den Zweitplatzierten. Dennoch sei es manchmal gut, wenn ein so junger Sänger nicht gleich den ersten Preis gewinne. "Es ist eine fantastische Stimme, sie braucht aber noch viel technische Schulung."

Araiza bescheinigte allen acht Finalisten große Karrierechancen. "Wir haben zwei oder drei im Finale, die wirklich Weltstimmen sind", sagte er. Bariton Roman Trekel, 1989 Finalist der "Neuen Stimmen", vermisste dagegen bei einigen Sängern den unbedingten Ausdruckswillen. "Ich verzeihe jede technische Unzulänglichkeit, wenn ich merke, da ist ein Ausdruckswille", sagte er.

Sorge um deutschen Opernnachwuchs

Als seine "größte Sorge" bezeichnete Araiza das Fehlen des deutschen Opernnachwuchses. Immerhin schaffte die einzige deutsche Vertreterin im Finale, die 27-jährige Christiane Karg, den sechsten Platz. Araiza betonte, in den Opernhäusern gebe es zwar deutsche Sänger. "Aber was sich deutsche Sänger nicht trauen, ist der Wettbewerb mit der internationalen Elite."

Eine Musikagentin klagte zudem über Opernhäuser und Intendanten, die "oft keine Ahnung von Sängern" hätten. Der Verschleiß an guten Stimmen sei hoch, sagte Musikagent Wolfgang Hoyer. "Die Gefährdung, was die menschliche Stimme angeht, ist so immens hoch." Wagner-Tenor Siegfried Jerusalem forderte die Theater zu mehr Ensemblearbeit auf: "Sängernachwuchs in große Karrieren zu führen, geht nur über Ensemble."

Der diesjährige Wettbewerb war für einige Überraschungen gut - 16 statt 12 Halbfinalisten, im Finale waren es acht statt sechs Sänger. Die siebtplatzierte Sopranistin Krenare Gashi aus dem Kosovo erhielt ein Engagement an der Oper Chicago, der achtplatzierte Koreaner Sung- Kon Kim (Bariton) an der Frankfurter Oper. Siegerin Rebeka bedankte sich vor allem beim Publikum. "Sie sind so herzlich", sagte sie.

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